Die Kasinos verzeichnen rund 20 Prozent Einbußen. Besucherzahlen sinken bundesweit um 18 Prozent.

Die Bank gewinnt immer. Sagt man. Doch jetzt scheint diese Redewendung nicht mehr zuzutreffen. Denn die Bank verliert immer öfter - an Umsatz. Die Spielbank Hamburg verzeichnet in diesem Jahr Umsatzeinbußen von rund 20 Prozent. Als Hauptgründe nannte das Unternehmen das Rauchverbot und den seit 1. Januar 2008 geltenden Glücksspielstaatsvertrag, der scharfe Einlasskontrollen vorsieht. Demnach müssen Kasinos von jedem Besucher die Personalien erfassen und überprüfen, ob die Kunden in einer Sperrdatei registriert sind. Das gilt nicht nur wie bisher für Roulette- und Black-Jack-Spieler, sondern auch für Automatennutzer. In der standortübergreifenden Datei ist registriert, wer wegen irregulären Spiels, Randale oder Spielsucht gesperrt wurde - oder sich selbst hat sperren lassen.

"Viele Spieler wehren sich gegen die Einlasskontrolle, indem sie offenbar auf Angebote ohne diese Reglementierung ausweichen wie Spielhallen oder Internetkasinos", sagt Hergen Riedel, Sprecher der Spielbank Hamburg Jahr + Achterfeld KG . Das Unternehmen betreibt das Casino Esplanade sowie vier Dependancen: die Kasinos Reeperbahn, Mundsburg, Wandsbek und Steindamm.

Besonders betroffen von dem Negativtrend seien die Dependancen. Das Flaggschiff des Unternehmens, das moderne Haus an der Esplanade, mache zwar keine Verluste - könne aber die Umsatzverluste für die gesamte Gruppe nicht ausgleichen.

Und Hamburg ist kein Einzelfall: Nach Angaben der Deutschen Spielbanken Interessen- und Arbeitsgemeinschaft (DeSia) hatten die staatlich konzessionierten Spielbanken in Deutschland im ersten bis dritten Quartal einen Bruttospielertrag von 550 Millionen Euro - das sind 21 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Von Januar bis Oktober besuchten 5,5 Millionen Gäste die Kasinos - das entspricht einem Minus von 18 Prozent. "Die Verluste sind besorgniserregend, da sie die öffentliche Aufgabe der Spielbanken gefährden", so DeSia-Sprecher Rainer Chrubassik. "Wenn die wirtschaftliche Basis bröckelt, wird es für die Spielbanken schwer, die ihnen vom Staat zugewiesene Pflicht zu erfüllen. Gesetzgeber und Öffentlichkeit verlangen, dem Spieltrieb der Bevölkerung durch ein legales Angebot Rechnung zu tragen und damit illegalen Anbietern sichere, faire und attraktive Alternativen entgegenzustellen."

Die schwierige Lage der Kasinos wirkt sich auch auf die Länder aus, die von den Spielbanken eine Spielbankabgabe - je nach Bundesland und Konzessionsvertrag - zwischen 70 und 90 Prozent der Bruttospielerträge bekommen. Allein Hamburg hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 121 Millionen Euro erhalten. In diesem Jahr hatte die Stadt eigentlich mit einer Spielbankabgabe von 48 Millionen gerechnet - die Summe wird kaum zu erreichen sein. Grund zur Sorge wegen möglicher fehlender Einnahmen sieht man jedoch nicht. "Der Glücksspielstaatsvertrag hat doch seinen guten Sinn. Wenn wir dadurch weniger Geld reinbekommen, müssen wir das in Kauf nehmen", so Marco Haase, Sprecher der Innenbehörde, die für die Spielbank zuständig ist. Man könne sich zwar "skrupellos" auf den Standpunkt stellen, dass "Geld nicht stinkt und es völlig egal ist, woher die Kohle stammt" - aber so handele Hamburg nicht. Das bekräftigt auch die Finanzbehörde. "Es bleibt am Jahresende abzuwarten, welchen Betrag die Spielbank abführen wird", sagt Sprecher Sebastian Panknin. "So oder so - der Haushalt für dieses Jahr läuft planmäßig."


Lesen Sie morgen im Wochenend-Journal des Abendblatts einen Bericht über einen Abend im Spielkasino.