Als Standort ist der Kleine Grasbrook im Gespräch. Finanziert werden könnte das Projekt durch den Verkauf der wertvollen Uni-Grundstücke in der City.

Es ist eine kühne Vision. Auf der nördlichen Seite der Elbe die schillernden Bauten der Elbphilharmonie und der HafenCity. Und gegenüber, am anderen Ufer, eine moderne Universität für mehr als 30 000 Studenten. Ein Zukunftsbild, das Realität werden könnte: Der Senat prüft derzeit eine Verlegung der Uni auf das Gelände am Kleinen Grasbrook, der Fläche zwischen der Veddel und Wilhelmsburg, die einst für die Olympiabewerbung der Hansestadt reserviert war und nun brach liegt.

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Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) jedenfalls will grundsätzlich neu denken: "Es reicht nicht mehr, an der maroden Uni ständig Löcher zu stopfen. Wir müssen die Perspektiven langfristig sichern."

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Wie bekannt wurde, prüft eine behördliche Arbeitsgruppe derzeit mögliche Szenarien. Zwar werde dabei auch eine Sanierung oder der Neubau der Uni an ihrem jetzigen Standort "gleichberechtigt" erwogen. Doch auch Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz zeigt sich prinzipiell für radikale Pläne offen: "Der Zustand vieler unserer Gebäude ist beschämend. Außerdem können wir unseren Platzbedarf unmöglich aus der bestehenden Substanz decken. Wir brauchen so schnell wie möglich vernünftige Arbeitsbedingungen", sagte sie dem Abendblatt. Und auch die Argumente der Senatorin deuten auf die Ernsthaftigkeit der Umzugsoption hin.

Dem Campus fehle eine klare Struktur. "Das ist ein wild gewachsenes Sammelsurium von Gebäuden", so Gundelach. Außerdem: 160 000 von 220 000 Quadratmetern Fläche an der Uni seien sanierungsbedürftig, ein Großteil der "maroden" Substanz stamme aus den 60er-Jahren. Nach Schätzungen würden rund 400 Millionen Euro zur Erneuerung benötigt. Erst kürzlich wurde der Campus teilweise erneuert, etwa am Philosophenturm für mehr als zehn Millionen Euro. Doch dies sei "längst nicht ausreichend", sagt Gundelach.

Die Kosten für das milliardenschwere Bauprojekt an der Elbe sollen teilweise durch den Verkauf der wertvollen Grundstücke des jetzigen City-Campus gegenfinanziert werden. Auch bliebe der Stadt eine kostspielige, jahrelange Ausgliederung der Studenten aus der "Baustelle Campus" erspart. "Schließlich muss der Uni-Betrieb weitergehen", sagt Gundelach. Weiter sollen für die Finanzierung private Investoren gewonnen werden. Denkbar sei, dass die Universität die neuen Gebäude nur miete. Gundelach: "Studiengebühren werden für Baumaßnahmen jedenfalls nicht verwendet."

Nach Ansicht der Senatorin erhöht die Umstellung auf Bachelor und Master den Platzbedarf der Uni. "Um kleine Gruppen intensiv betreuen zu können, werden Seminarräume gebraucht", so Gundelach. Ihr Ziel: Hamburgs soll "in naher Zukunft" ganz oben bei den Hochschul-Rankings liegen. "Gute Studenten brauchen gute Bedingungen."

Was die als Stadtplanerin erfahrene Wissenschaftssenatorin Gundelach weiß: Der Umzug der Uni zum Kleinen Grasbrook würde die von der CDU ausgerufenen Leitlinie vom "Sprung über die Elbe" stützen. Bereits jetzt bemüht sich der Senat, mit geförderten Wohnungen Studenten auf der Veddel und in Wilhelmsburg anzusiedeln. Dieses Projekt würde neue Dynamik erfahren.

Bei den Fraktionen stieß die Planung allerdings auf wenig Begeisterung. CDU-Hochschul-Experte Wolfgang Beuß sagte: "Hier wird eine von mehreren Optionen durchgespielt, und ich sehe die Entscheidung noch in weiter Ferne." Beuß, der auch Kreischef von Eimsbüttel ist, verwies darauf, dass die Uni ein "Stück Seele des Bezirks" sei. "Entsprechend geht es hier auch darum, die Menschen bei dieser Planung mitzunehmen".

Bei der SPD zeigte sich Hochschulexpertin Dorothee Stapelfeldt überrascht vom Vorstoß der Wissenschaftssenatorin. "Wir als Parlament müssen alle Planungsoptionen kennen. Ich verlange, dass alles öffentlich gemacht wird." Außerdem sei es erforderlich, die einzelnen Sanierungsbedarfe der Campus-Gebäude genau zu kennen. "Die Uni liegt im Herzen der Stadt. Es darf keine Retortenstadt auf dem Acker geben."