Auslöser war eine Auseinandersetzung, nach der ein Besucher der Roten Flora von der Polizei festgenommen werden sollte.

Schreie und Pfiffe, Streifenwagen rasen mit Blaulicht vor die Rote Flora am Schulterblatt, Wasserwerfer fahren in Stellung, ein Polizeihubschrauber dröhnt.

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Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Sonntagvormittag das Kulturzentrum Rote Flora im Schanzenviertel gestürmt. Vier Wasserwerfer und Hunderte Beamte riegelten das Schulterblatt ab. Grund für den massiven Einsatz: In dem linken Szenetreff hatten sich seit dem frühen Morgen mehrere Menschen verschanzt. Nach Angaben von Polizeisprecher Ralf Meyer standen sie im Verdacht, am Sonntagmorgen zwei Polizisten mit Steinen und Flaschen angegriffen und verletzt zu haben.

Auslöser ist eine Auseinandersetzung in der Schanze gegen 5.45 Uhr: Auf dem Schulterblatt streiten sich ein 23-jähriger Schwarzafrikaner und seine 18 Jahre alte Freundin. Die Auseinandersetzung wird von Gästen der Roten Flora beobachtet.

Sie vermuten einen Angriff auf die 18-Jährige, wollen ihr helfen und vertreiben den 23-Jährigen. Danach flüchtet der junge Mann in seine nahe gelegene Wohnung. Dort vernimmt ihn eine alarmierte Streifenwagenbesatzung. Gemeinsam fahren sie zurück zur Roten Flora, die Polizisten wollen einen der Gäste aus dem Zentrum holen. Grund: Der angebliche Helfer habe den Afrikaner mit Reizgas attackiert.

Für die Betreiber der Flora stellt sich die Situation anders dar: Als die Polizei eingetroffen sei, habe sie aus unerfindlichen Gründen nicht nur den Angreifer, sondern auch einen der Helfenden festgenommen, heißt es in einer Mitteilung.

Vor Ort eskaliert die Situation. Die Polizistin und ihr Kollege werden angegriffen - Steine und Flaschen fliegen. Der Gruppe aus der Roten Flora gelingt es, den Festgenommenen zu befreien. Die Beamten flüchten in ihren Streifenwagen - eine Autoscheibe wird zertrümmert, die Polizistin durch Glassplitter verletzt.

Die Angreifer ziehen sich in das Kulturzentrum zurück. Die Polizei reagiert massiv: Gegen 6.30 Uhr wird der Tatort mit etwa 20 Streifenwagen abgesperrt. Gegen 10 Uhr rüstet die Polizei weiter auf: Knapp 370 Beamte riegeln die Rote Flora ab - Wasserwerfer postieren sich am Schulterblatt. Um 11.40 Uhr wird die Tür zur Roten Flora aufgebrochen. Polizisten stürmen in das ehemalige Konzerthaus. Widerstand gibt es nicht - weder im Gebäude noch vor der Polizeikette, wo sich bis zu 500 Schaulustige versammelt haben. Nur einmal kommt es zu Rangeleien, als die Polizei die Absperrung ausweitet.

13 Menschen, zumeist Jugendliche, werden von den Einsatzkräften aus dem Haus geführt und vorläufig festgenommen, darunter auch zwei Frauen. Als der erste Festgenommene gegen 12 Uhr von zwei Polizeibeamten auf die Straße geführt wird, rufen Dutzende Sympathisanten: "Es leben die Gefangenen" und "Lasst die Gefangenen frei." Gegen 13 Uhr ist der Einsatz beendet.

Am Abend protestierten Anhänger der Roten Flora mit einem Demonstrationszug von Ottensen nach St. Pauli gegen den ihrer Meinung nach unverhältnismäßigen Einsatz. "Entgegen aller Absprachen mit anwesenden Anwälten und trotz vorhandener Schlüssel wurden im Inneren etliche Türen von der Polizei mutwillig zerstört und alle Räume durchsucht", heißt es in der Mitteilung der Flora. Man sehe darin eine Fortsetzung "der in dieser Stadt vorherrschenden repressiven Linie gegen die Rote Flora im Speziellen und linke Projekte im Allgemeinen."

In der Nacht steckten Randalierer Autos in Brand und zerstörten Scheiben am Kundenzentrum eines Energiekonzerns. Insgesamt wurden fünf Wagen beschädigt, wie die Polizei am Montagvormittag berichtete. Zwei Autos brannten komplett aus. Die Höhe des Sachschadens war zunächst unklar. Nach Polizeiangaben wurden vier Randalierer in Zusammenhang mit den Brandstiftungen vorläufig festgenommen. Sieben Personen kamen in Gewahrsam. Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht.