Zwei Tage nach der Räumung des Bauwagenplatzes ist es zu den bisher gewalttätigsten Demonstrationen gekommen
Müllcontainer, die brennen, mehr als 20 demolierte Autos, Steine und Flaschen, die auf Polizisten fliegen. Knapp über den Häuserdächern im Norden St. Paulis kreist der Polizeihubschrauber "Libelle", der mit dem Scheinwerfer die Straßen in gleißendes Licht taucht und nach Randalierern ausleuchtet. Wieder Beamte in Kampfmontur, wieder Schlagstockeinsätze, wieder Wasserwerfer.
Zwei Tage nach der Räumung des Bauwagenplatzes Bambule ist es auf St. Pauli in der Nacht auf Donnerstag zu den bisher gewalttätigsten Demonstrationen gekommen. Randalierer lieferten sich heftige Auseinandersetzungen mit mehr als 400 Polizisten. "Die Stimmung war äußerst aufgeheizt", sagte die Polizei. Die Bilanz: sieben Festnahmen, 56 Ingewahrsamnahmen, ungezählte leicht Verletzte, darunter fünf Beamte.
Schlagartig hatten sich knapp 1000 Demonstranten am U-Bahnhof Feldstraße nach Abpfiff des Pokalspiels zwischen dem FC St. Pauli und Werder Bremen (0:3) versammelt - eine nicht angemeldete Demonstration, die aber unter die Versammlungsfreiheit fällt. Schon zu Beginn wurden 50 Bereitschaftspolizisten von Teilnehmern eingekreist, beschimpft und geschubst.
Mehr als vier Stunden zogen die Demonstranten dann teilweise ziellos durch St. Pauli, immer seitlich von Beamten begleitet, darunter auch Polizisten des Mobilen Einsatzkommandos. Erste Festnahmen gab es an der Stresemannstraße, als Teilnehmer Gegenstände auf das Kommissariat 16 warfen.
Weil die Polizei nicht über genug Kräfte verfügte, mussten die Beamten in schweren Kampfanzügen auf der Holstenstraße hin- und herlaufen, um ein Einsickern nach Altona zu verhindern - ein minutenlanges Katz-und-Maus-Spiel. Spätestens jetzt zogen sich viele St.-Pauli-Fans zurück.
Die Lage eskalierte kurz vor Mitternacht, als im Gewirr der engen Straßen von St. Pauli Nord aus einer Gruppe von etwa 300 Personen heraus randaliert und mit Leuchtspurmunition geschossen wurde. Zwei Gelenkbusse (Anzeige: "Sonderfahrt") wurden auf der Budapester Straße als Polizeigewahrsam genutzt.
Immer deutlicher wird: Die Bambule-Räumung hat die Szene herausgefordert. So versammelten sich etwa am Dienstagabend 250 Sympathisanten zu einer Diskussion in der Roten Flora: "So viele hat es da schon lange nicht mehr gegeben", heißt es aus dem Polizeipräsidium. "In der Szene ist fix was los", sagte ein Staatsschützer dem Abendblatt. Allerdings finden sich auch erste kritische Stimmen. So fragt ein Schreiber in einem der Internet-Foren der Szene: "Sind die BambulistInnen eigentlich einverstanden, dass in ihren Namen diese Ausschreitungen stattfinden?"
Bei der Polizei haben sich unterdessen, so eine Sprecherin, bereits "Tausende von Überstunden" durch die Einsätze der vergangenen Tage angesammelt. Jede Stunde kostet 15,14 Euro. Allerdings soll die Zusatzarbeit nur durch Freizeit ausgeglichen werden. Weitere Belastung für die fünf Hundertschaften: Auch für den für Montag in Norddeutschland erwarteten Castor-Transport muss die Hansestadt Beamte bereitstellen. Und zu weiteren Demonstrationen in Hamburg wird bereits aufgerufen. Auch gestern formierte sich wieder ein Aufzug von der Universität zum Rathausmarkt. Die 1200 Teilnehmer blieben jedoch friedlich.
Bei der Polizei haben sich mittlerweile Tausende Überstunden durch die Einsätze der vergangenen Tage angesammelt.












