"Bei Neuvermietungen sind die Wohnungspreise schon mit Blankenese und Nienstedten vergleichbar", sagt Steffen Jörg vom Verein Gemeinwesenarbeit St.-Pauli-Süd. Der oft benutzte Begriff der "Aufwertung" würde darüber hinwegtäuschen, dass ärmere Menschen, Migranten und subkulturelle Szenen, die teils seit Jahrzehnten auf St. Pauli leben, verstärkt verdrängt würden.
Um sich gegen die Veredelung ihrer Nachbarschaft und den daraus entstehenden Druck zu wehren, haben sich nun knapp 20 Initiativen und Klubs zum "Aktions-Netzwerk gegen Gentrification" zusammengeschlossen - darunter Aktive aus der Hafenstraße, das Projekt "Tuntengala", der Fanladen St. Pauli und die St.-Pauli-Kirche. Doch trotz der Wut, die bei der Präsentation im Golden Pudel Klub am Fischmarkt gestern spürbar war, wählt das Bündnis lieber Information und Humor als Demonstrationsmittel. Unter dem Motto "Es regnet Kaviar" will das Netzwerk nun dagegen protestieren, dass die Stadt den Kiez "als Unternehmen versteht, das auf reine Profitmaximierung ausgerichtet ist".
Das Anwohnerprojekt Park Fiction lädt für Freitag um 20 Uhr in die Ganztagsschule St. Pauli, um in Kurzbeiträgen das Thema Gentrification zu klären. Unternehmensberater Armin Chodzinski referiert unter dem Titel "In 20 Jahren mach ich dir aus Bielefeld Manhattan" über Stadtentwicklung und Image, "Hinz & Kunzt"-Chefredakteurin Birgit Müller kommentiert die Kriminalisierung von Armut ("Saufen dürfen bald nur noch die Reichen"). Am Sonnabend startet um 12 Uhr ein Straßenfest mit Spielen für Kinder, Musik und St.-Pauli-Rundgängen. Zudem bitten ab 13 Uhr DJs zum Rave von der Sternschanze zur Hafenstraße.
Und wer ganz privat etwas gegen die "Aufwertung" seines Viertels tun möchte, dem bietet das Netzwerk das "Abwertungskit" zum Download im Internet an. Eine Art Bastelbogen mit Utensilien, die die eigene Wohnung in den Augen von Immobilienverwaltern schäbiger aussehen und somit die Mieten sinken lassen. Im Angebot: Imitationen zerbrochener Fenster und Unterhemden, die zum Trocknen aus dem Fenster zu hängen sind.











