Nach Abendblatt-Informationen aus der Justizbehörde war menschliches Versagen der Hauptgrund für den spektakulären Ausbruch aus dem Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis (UG). Wie genau es zu der Flucht kommen konnte und wie die Sicherheitsvorkehrungen in Zukunft gestärkt werden sollen, gibt die Justizbehörde erst heute offiziell bekannt. Der wegen versuchtem Betrugs inhaftierte und weiterhin flüchtige Oleg Buchilov war am 30. Dezember aus seiner Zelle entkommen und hatte mithilfe einer Wolldecke Gefängnismauer und Stacheldraht überwunden.
Das Ausmaß der Fehler, die Buchilovs Flucht ermöglichten, scheint beträchtlich. "Mehrere Alarme sind ignoriert oder auf dem Computer weggedrückt worden", so ein Behördenmitarbeiter gegenüber dem Abendblatt. Es sei außerdem zu menschlichem Versagen bei der Videoüberwachung gekommen, Kontrollgänge seien nicht durchgeführt worden. Buchilov ist der erste Häftling seit 2004, dem ein Ausbruch aus einem Hamburger Gefängnis gelungen ist.
Laut der Opposition ist die falsche Politik des Senats für die gelungene Flucht verantwortlich. Die Wachtürme würden nachts nicht besetzt, um Geld zu sparen. Auch die Tatsache, dass dort tagsüber nur private Sicherheitsleute eingesetzt werden, sei ein Sicherheitsrisiko. Andreas Dressel, Innenexperte der SPD, sagt: "Der Strafvollzug ist ein Kernbereich staatlicher Hoheitsverwaltung, hier haben private Sicherheitsleute nichts zu suchen, gerade wenn sie unzureichend ausgebildet sind und mit Hungerlöhnen bezahlt werden." Die Mitarbeiter der Firma Weko erhalten für ihre Arbeit lediglich einen Stundenlohn von 6,62 Euro.
Insgesamt arbeiten 35 Weko-Sicherheitskräfte im Untersuchungsgefängnis. Weitere sind in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel ("Santa Fu") im Einsatz. Dort regeln sie auch den Besucher- und Fahrzeugverkehr und übernehmen Post- und Paketdienste. Laut Angaben der Justizbehörde wurde nach der Flucht allerdings nicht gegen Weko-Mitarbeiter ermittelt, sondern nur gegen Angestellte des Gefängnisses.











