08.01.08

Mirko Reissers Kunst aus der Dose

persönlich

Von Friederike Ulrich

Dafür, dass der Hamburger Mirko Reisser alias DAIM einer der bedeutendsten Graffiti-Künstler weltweit ist, sieht er ziemlich normal aus: ein jungenhafter Mittdreißiger mit kurzem Haar und Brille. Wer erwartet hat, dass die Tür zum Atelier von einem Rapper mit farbverschmierten Hosen und Baseballkappe geöffnet wird, hat sich getäuscht. Hier ist auch keine dröhnende Hip-Hop-Musik zu hören, sondern nur Verkehrslärm - denn Reissers Künstlerwerkstatt liegt im vierten Stock eines von Schnellstraßen umgebenen Hochhauses vor den Elbbrücken. Yucca-Palmen, Benjamini und Polstergarnitur verbreiten Wohnzimmeratmosphäre - die Wohnung des Künstlers, die er mit Frau und Kind teilt, liegt allerdings in Ottensen.

Trotz seiner unspektakulären Erscheinung ist Mirko Reisser in der Graffiti-Szene eine Legende: Er hat ein 2000 Quadratmeter großes Graffito am Blohm + Voss-Dock mitgestaltet, das neue Altonaer Zahlungsmittel "Alto" entworfen und einen Eintrag ins "Guinnessbuch der Rekorde" erhalten, als er in Bergedorf das "höchste Graffito der Welt" an eine 30 Meter hohe Hochhaus-Fassade sprühte. Der von ihm in immer anderen Variationen gestaltete Schriftzug DAIM prangt auf T-Shirts, Schirmmützen und Skateboards. Und weil die Graffiti-Szene weltweit operiert, verzieren seine Arbeiten auch Hauswände in Nord- und Südamerika, Australien und Thailand.

Mittlerweile ist die Kunstwelt auf Mirko Reisser aufmerksam geworden. Von der Straße hat er es in die Galerien geschafft - hat Ausstellungen in Kunstvereinen und Museen, Ende Januar ist Vernissage in der Kunsthalle Osnabrück. "Ich habe lieber Ausstellungen in Kunstvereinen als in einer Hinterhof-Galerie in der New Yorker Bronx", sagt Reisser, der mittlerweile von seinem Beruf gut leben kann. Für seine Bilder auf Leinwand werden mittlerweile Summen im fünfstelligen Bereich gezahlt. "Das können sich nur noch Sammler leisten", so der Künstler. Vorbei die Zeiten, als er für Studenten, Autohändler oder Pizzabäcker gegen Bezahlung die Sprühdose zückte.

Trotzdem ist er auf dem Teppich geblieben und bezeichnet nach wie vor auch die Straße als sein Atelier. "Das, was ich dort mache, bringt kein Geld", sagt Mirko Reisser. "Aber die großen Bilder sind gut fürs Image." Nicht nur für seines - mit einem Graffito, das er zurzeit mit Freunden an eine Hochhausfassade in Rothenburgsort sprüht, möchte er den gesamten Stadtteil aufwerten. "Auch wenn wir in Rothenburgsort nur unser Atelier haben, möchten wir mit unserem Engagement ein Zeichen setzen dafür, dass der Stadtteil lebenswert ist", sagt Reisser.

Wie alle Graffiti-Sprüher hat auch er in der Illegalität begonnen. Hat unerlaubt Hauswände und Zugwaggons besprüht und wurde, natürlich, von der Polizei dabei erwischt - einmal in Hamburg als 17-Jähriger, später als Erwachsener in New York. In seiner Heimatstadt musste er Nachtschichten bei der Post schieben, um Schadenersatz leisten zu können, in New York saß er sogar zwei Tage im Gefängnis.

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