Meteorologen lösen das Rätsel: Temperaturen in der City, Luftpartikel und das nahe Meer sind für die Niederschläge entscheidend. Und: Die Schauer sind heftiger als in anderen Städten.

Hamburg - Stadt am Wasser. Und im Wasser. Denn die Hansestadt ist in diesem Sommer auf Rekordkurs - im Regnen. Im Juli prasselten laut Deutschem Wetterdienst 165 Liter pro Quadratmeter auf uns nieder, allein am 22. Juli, dem bisher regenreichsten Tag des Jahres, waren es 49 Liter. Im Juni fielen 210 Liter Regen. Damit fehlen gerade noch 92,2 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, um 1980 als nassesten Sommer seit Beginn der Messungen abzulösen: Damals kamen zwischen Juni und August 467,2 Liter pro Quadratmeter vom Himmel.

Mehr zum Thema

Hamburger Abendblatt

Regen - das gehört zu Hamburg wie der Michel. Behaupten die Verwandten aus München und die Freunde aus Köln gern. Stimmt so aber nicht, sagen die Meteorologen. In München fallen jedes Jahr durchschnittlich 967 Liter Regen pro Quadratmeter, in Hamburg sind es nur 770 Liter. Das Überraschende: Manche Hamburger Stadtteile sind dabei nasser als andere. In Poppenbüttel fallen jedes Jahr im Schnitt 150 Liter Regen pro Quadratmeter mehr als in den Vier- und Marschlanden, die von den Harburger Bergen geschützt werden. Warum? "Das liegt an dem sogenannten Stadtklima-Effekt", sagt Wetterexperte Karsten Brandt von "Donnerwetter". Über der Innenstadt, wo es stets ein bis fünf Grad wärmer sei als im Umland, heize sich die Luft auf. "Die Regenwolken bekommen durch die Wärme einen neuen Impuls. Denn je wärmer die Luft ist, desto höher steigen die Wolken. Und je höher sie schweben, desto weniger Wasser können sie tragen", sagt Brandt. Das heißt: Sie ziehen weiter und entladen sich über dem Nordosten. Oder manchmal auch sofort in der City.

Denn wenn es in der Hamburger Innenstadt gießt, dann gleich richtig: In der Innenstadt ist jeder zweite Regentag ein sogenannter Starkregentag mit mehr als zehn Liter Regen pro Quadratmeter, im Umland gerade einmal jeder dritte. "In der Innenstadt schüttet es an jedem zweiten Regentag derart heftig, dass man innerhalb von fünf Minuten bis auf die Haut durchnässt ist", sagt Karsten Brandt. Er spricht vom "Hamburg-Phänomen". Denn in keiner anderen deutschen Metropole kommt nach Angaben des Meteorologen im Stadtkern auf einen Schlag derart viel Wasser vom Himmel.

Das Hamburger Wettergeheimnis: "Es gibt dazu drei wissenschaftliche Erklärungen, die im Fall von Hamburg perfekt zusammenspielen", sagt Brandt. Erstens: die Bebauungsstruktur. "In der Innenstadt ist es wärmer als im weniger dicht bebauten Umland, weil die Gebäude tagsüber Hitze speichern und sie nachts abgeben", so Brandt. "Damit produziert die Stadt keinen Regen, aber sie verstärkt ihn." Das gelte allgemein für alle Großstädte. "Aber Backsteine heizen sich beispielsweise stärker auf als eine Glasoberfläche. Das heißt, die typische Hamburger Bebauung kann sich auf die Niederschlagshäufigkeit auswirken."

Zweitens: Partikel. Regen wird durch eine schwebstoffreiche Luft begünstigt, deren Partikel das Kondensieren von Wasserdampf-Gas zu Tröpfchen fördern. "Es ist möglich, dass die Industrie im Hamburger Westen besonders viele dieser Partikel freisetzt", so Brandt.

Drittens: maritimes Klima. "Hamburg liegt in der Nähe der Küste. Damit ist das Klima automatisch feuchter und anders als in Berlin, wo kontinentales Klima das Wetter prägt", sagt Michael Knobelsdorf vom Deutschen Wetterdienst. Doch die Wetterexperten machen ein wenig Hoffnung: "Der August soll trockener werden", sagt Brandt. Dann können die Verwandten aus München und die Freunde aus Köln nicht wieder unken über den Regen in Hamburg.