Monika Auweter-Kurtz ist zwar schon seit zwölf Wochen im Amt, aber die Feier zu ihrer Einführung musste bis gestern warten - denn Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) wollte unbedingt zu Ehren der neuen Uni-Präsidentin im Audimax die Festrede halten und hatte nicht eher Zeit.

"Sie haben sich als Wissenschaftlerin hohe Verdienste erworben, Nachwuchs und Frauen beispiellos gefördert", lobte Schavan die Raumfahrtforscherin, die "Kraft zum Dialog" habe und jene Gabe besitze, Menschen für sich zu gewinnen. Dass Auweter-Kurtz dies bei vielen Universitätsmitgliedern schon geglückt sein könnte, dafür mochten die minutenlangen Standing Ovations ein Gradmesser gewesen sein, die sie nach ihrer Rede erhielt. Die neue Uni-Präsidentin hatte sich zuvor durchaus kritisch mit der Hochschulpolitik von Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) auseinandergesetzt. Der Universität sei in den vergangenen Jahren "mehr zugemutet" worden als "vielen anderen Hochschulen in diesem Land". Auch die neu eingeführten Studiengebühren bedeuteten eine große Belastung für viele Studenten. Und: Die universitäre Ausbildung dürfe im Unterschied zu Fachhochschulen nicht weiter verschult werden.

Jörg Dräger ermunterte sie in seinem Grußwort: "Sie wissen, was Sie erreichen wollen. Lassen Sie Ihr Ziel nicht aus den Augen, diese Uni zu einer der besten in Europa zu machen." Er war der Erste, der von rund 30 nahezu permanent kreischenden Studenten aus dem hinteren Teil des Saals massiv gestört wurde. Alle Redner mussten mehrfach abbrechen, ständig wurden Parolen und vulgäre Schimpfkanonaden von den besonders lauten weiblichen Protestlerinnen skandiert. Wogegen sie genau waren, blieb aber unklar: "Sie disqualifizieren sich doch selbst", rief Dräger den jungen Frauen zu, die Transparente mit Slogans wie "Hoppe hoppe Reiter, Gewinne steigen weiter" entfalteten. Im Publikum litt man unter dem Lärmpegel und reagierte mit Unverständnis darauf, dass die Uni-Leitung "leider keine Handhabe" dagegen habe, wie Auweters Stellvertreter Karl Werner Hansmann sagte. Die Störer hatten sogar Schavans Angebot ausgeschlagen, nachher mit ihr in kleiner Runde zu diskutieren - wenn sie die Veranstaltung nur friedlich weitergehen ließen. "Deutschland braucht Eliten, keine Schreihälse", hielt Schavan ihnen darauf entgegen.

Die Aktivisten, die mehr als zwei Stunden lang die Veranstaltung mit rund 1000 Gästen akustisch dominiert hatten, stärkten sich nachher am Büfett und feixten über die gelungene Aktion. Dräger fand für ihren Auftritt die deutlichsten Worte der Kritik: "Das ist beschämend. Es erinnert an Diktatur, nicht an Demokratie." Immerhin: Dem ebenfalls ausgebuhten AStA-Chef Christian Höft, Sieger der Studentenparlamentswahl, gelang es in seiner launigen Ansprache, auch Schavan zu verdeutlichen, dass in Hamburg längst pragmatischere Studenten den Ton angeben - und sich über den Amtsantritt von Auweter-Kurtz freuen: "Die Uni Hamburg ist besser als ihr Ruf."