Flucht: Familie R. in christlichem Freizeitheim. Die Hamburger sind nach Österreich geflüchtet. Nun wird geprüft, ob sie sich rechtswirksam abgemeldet haben und welches Gericht zuständig ist.

Wenn Adolf Friedrich Weiss - nach eigenen Angaben Regierungsdirektor a. D. der bayerischen Landesregierung - von der Familie der Schulverweigerer Andre (44) und Frauke R. (39) spricht, dann mit dynamischer Stimme: "Ich habe der Familie ,Asyl' gewährt, die wird ja durch ganz Europa gejagt", sagt der 74-Jährige. "Es muss Fluchtburgen geben." Weiss ist Eigentümer des Christlichen Freizeitheims "Grüne Au" am Wolfgangsee (Österreich). Unweit davon ist das Domizil, in dem Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl Urlaub machte.

Der Fall der Eltern, die sich weigern, ihre schulpflichtigen Kinder zur Schule zu schicken und jetzt aus Hamburg geflüchtet sind, sorgt weiter für Wirbel. Die strenggläubigen Eheleute unterrichteten ihre Kinder bisher zu Hause, weil sie einen schlechten Einfluss der öffentlichen Lehranstalten fürchten. Die Familie mit ihren sechs Kindern hatte sich aus Angst vor der Schulbehörde abgesetzt, die die Sorgerechtsentziehung gegen die Eltern betreibt. Der Vater war eine Woche in Hamburg in Erzwingungshaft.

"Es geht ihnen bei uns gut", sagt Weiss, dessen Heim zu einer Freikirche gehöre. Gestern wurde die Familie von Fernsehteams belagert. "Ich schirme die Familie ab", so Weiss. Nach einer Autopanne auf der Flucht aus Hamburg musste die Familie ihr geliehenes Wohnmobil aufgeben, wegen eines Motor-Problems. Bekannte gaben ihnen ein anderes Auto. Wie die Familie R. jetzt den Tag verbringt? "Sie lesen in der Bibel und freuen sich, dass Herr Jesus sie jetzt dahin geführt hat", formuliert Weiss. "Sie müssen erst mal zur Ruhe kommen."

Auf seiner Homepage wirbt das Heim für die Freizeitmöglichkeiten: Man könne dort "baden, surfen, wandern und bergsteigen". Adolf Friedrich Weiss: "Es ist ein ,Vier-Sterne-Haus' mit Blick auf den Wolfgangsee." Zum Freizeitheim gehören 16 Zimmer, mit Platz für 40 Gäste, ein Tagungsraum, ein Klubraum. Die Homepage lädt ein "zur Bibelfreizeit", zur "Erholung, zu Zeiten der Stille und Besinnung". Das Selbstversorgerhaus liegt im Kurbezirk 1A, am Ortseingang von St. Wolfgang, im idyllischen Salzkammergut. "Hamburg soll sich schämen, wie es mit der Familie umgeht", wettert der engagierte Christ Weiss.

Unterdessen gibt es Verwirrung darum, ob die Familie sich rechtswirksam in Hamburg abgemeldet hat. Nach Abendblatt-Informationen sind die Eltern nach wie vor in Altona gemeldet - sie haben nur ihre sechs minderjährigen Kinder abgemeldet. Nun wird geprüft, ob dies wirksam ist. Das Verfahren der Schulbehörde vor dem Familiengericht Altona um den Sorgerechtsentzug läuft derweil weiter. Das Gericht prüft nun, ob es als deutsches Gericht zuständig ist, da die Familie sich im Ausland aufhält. Dann müsste geprüft werden, ob das Gericht in Altona zuständig ist. Die Familie muss binnen zwei Wochen nachweisen, dass die Hamburger Wohnung tatsächlich geräumt und gekündigt wurde. Auch muss die Familie in der Zeit eine neue Anschrift mitteilen. Erst dann kann in der Sache entschieden werden.