Seit mehr als fünf Tagen überwachen Kameras der Polizei die Reeperbahn. Doch bereits am ersten Wochenende seit dem Start der Videoüberwachung haben die Kameras fünf Gewalttaten nicht aufgezeichnet. Das behaupten zumindest einige Polizisten, die von der 620 000 Euro teuren Maßnahme nicht überzeugt sind. Wie konnte es passieren, daß die Überwachungskameras für einen Raub und vier gefährliche Körperverletzungen "blind" waren?

"Die Kameras werden das Geschehen an den überwachten Orten rund um die Reeperbahn nie zu 100 Prozent erfassen können", sagte dazu Polizeisprecherin Ulrike Sweden. Die Kameras würden immer in unterschiedliche Winkel geneigt, zum Teil die Bilder auch herangezoomt, so daß das Restgeschehen dann buchstäblich im Dunkeln sei.

An der Reeperbahn und den angrenzenden Plätzen stehen derzeit zehn Kameras, zwei sollen noch auf dem Spielbudenplatz hinzukommen. Die Bilder werden direkt in die Polizeieinsatzzentrale gesendet. Dort sitzt rund um die Uhr jeweils ein Beamter vor einer Monitorwand, die die Bilder simultan auf zwölf Schirme überträgt. Der Beamte zoomt verdächtige Szenen heran und neigt und wendet die Kameras in einem festgelegten Turnus.

Zwei der fünf Gewalttaten, die angeblich nicht erfaßt wurden, seien innerhalb geschlossener Räume geschehen, so Sweden. Und die seien für die Kameras tabu. Es handele sich um eine Körperverletzung in einer Kneipe an der Großen Freiheit und um eine Körperverletzung im "Laufhaus" an der Reeperbahn in der Nacht zum Sonntag.

Der Raub, den die Kamera nicht erfaßt haben soll, ist laut Sweden rätselhaft: Am Freitag morgen habe ein Betrunkener mit mehr als zwei Promille einen Raub an der Großen Freiheit angezeigt, nähere Umstände seien noch nicht geklärt. Zwei Körperverletzungen, eine am Nobistor nach einem Diebstahl und eine andere an der Silbersackstraße, seien nachweislich nicht aufgezeichnet worden.

Polizeipräsident Werner Jantosch sagte, der erste Zweck der Kameras sei vor allem die Prävention. Zudem sei es "nach dem ersten Wochenende zu früh, um ein Resümee zu ziehen".