Demonstration: Antifaschisten decken auf. Peter Haas, Sprecher der Handwerkskammer: "Wir wußten nicht, wen wir da im Haus hatten."
Die Handwerkskammer ist peinlich berührt: Offenbar jahrelang trafen sich im hauseigenen Restaurant Remter am Holstenwall Alt-Nazis einer Organisation, die lange Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Gestern nachmittag machte eine Demonstration von Antifaschisten und Naziverfolgten dem Spuk ein Ende: Die Herren wurden des Lokals verwiesen, erhielten Hausverbot.
Es sollte offenbar die Jahreshauptversammlung werden, die betagten Teilnehmer hatten sich - wie immer - ein Hinterzimmer des Remter-Restaurants reserviert und Kaffee und Kuchen bestellt. Die Gäste: Angehörige der "Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS" (HIAG). Die "Gemeinschaft" war schon kurz nach dem Krieg in Hamburg aus der Taufe gehoben worden. Zunächst hatten die Gründer geplant, eine Art Schattenarmee, die "Bruderschaft" aufzubauen. Die Alliierten deckten die Pläne auf, doch die HIAG etablierte sich über Jahrzehnte als Sammelbecken jener, die immer noch SS-verherrlichendem Gedankengut nachhingen. Vordergründig ging es der HIAG um die Durchsetzung von Renten, auch für ehemalige Kriegsverbrecher. Der Verein existierte offiziell bis Ende vergangenen Jahres. Doch die verbliebenen Hamburger HIAG-Mitglieder trafen sich auch weiterhin. Viele von ihnen unterhielten - und unterhalten - offenbar gute Kontakte in die rechtsradikale Szene. Im Remter reservierten sie ihre Räumlichkeiten meist auf den Namen "Dr. Kitzing".
Laut Peter Haas, dem Sprecher der Handwerkskammer, seien während der Treffen keine rechtsradikalen oder Nazi-verherrlichenden Handlungen aufgefallen. Haas: "Die Türen waren zu. Wir wußten nicht, wen wir da im Haus hatten. Weil die Gruppe sich nie mit richtigem Namen anmeldete, griffen die Kontrollmechanismen offenbar nicht. Das ist sehr bedauerlich. Ich danke den Demonstranten für die Informationen."
Die Handwerkskammer erteilte den mutmaßlichen Alt-Nazis sofort Hausverbot. Die Polizei hielt vier der alten Herren zunächst im Restaurant fest, um eine Konfrontation mit den Demonstranten zu vermeiden. Peter Haas: "Wir distanzieren uns ganz klar von solchen Veranstaltungen, wollen Gruppen wie diese ganz sicher nicht im Haus." Polizeibeamten führten die Versammlungsmitglieder, die zunächst im Restaurant verblieben waren, an den Demonstranten vorbei auf die Straße. Zu Handgreiflichkeiten kam es nicht.












