Hamburg-Streik: Stadtreinigung sperrt aus. Sie erhalten weder Lohn noch Streikgeld von Ver.di. Senat will nicht eingreifen.
Hamburg. In Hamburg haben gestern nach Gewerkschaftsangaben erneut mehr als 2000 Beschäftigte von Stadtreinigung und Stadtentwässerung ihre Arbeit niedergelegt. Doch obwohl sich der Unrat zu Beginn der zweiten Streikwoche bereits an den Straßenrändern türmt, sperrt die Stadtreinigung rund 500 Beschäftigte aus, die nicht bei Ver.di organisiert sind - und eigentlich arbeiten wollen.
Geschäftsführer Rüdiger Siechau bestätigte gegenüber dem Abendblatt, daß die Arbeit der Stadtreinigung so lange ruhen soll, bis der Streik beendet ist: "Rund 80 Prozent unserer Angestellten sind Mitglieder der Gewerkschaft und im Ausstand. Es ist uns schlicht nicht möglich, mit den verbleibenden Kollegen den Betrieb aufrechtzuerhalten", sagte Siechau.
Die sozialen Folgen für die Nicht-Gewerkschaftsmitglieder sind gravierend, denn sie erhalten weder Lohn noch Streikgeld. Viele wissen nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen oder die Miete begleichen sollen. Die Situation spitzt sich täglich zu, der Unmut vor den Werkstoren wächst. Denn den Kollegen wurde von der Geschäftsführung auch verboten, kurzfristig Urlaub zu nehmen, um so die Streikzeit überbrücken zu können.
Staatsrat Volkmar Schön (CDU), Vorsitzender der städtischen Arbeitgebervereinigung (AVH), hatte zuvor vergeblich an das Unternehmen appelliert, auf eine Aussperrung der Nicht-Gewerkschaftsmitglieder zu verzichten: "Ich halte das für eine nicht wünschenswerte Eskalation, die Situation für die Betroffenen ist sehr ernst", sagte er. Die zuständige Staatsrätin Herlind Gundelach (CDU) aus der Umweltbehörde sieht trotz der sozialen Problematik und der wachsenden Müllberge derzeit "keinen Grund, von seiten des Senats einzugreifen".
Stadtreinigungs-Geschäftsführer Siechau argumentierte, ein Vorteil der Aussperrung sei, daß die arbeitswilligen Beschäftigten nun "vor ihren Kollegen wenigstens nicht als Streikbrecher dastehen". Streikleiter Rainer Hahn sagte, die Ver.di-Mitgliedschaft sei wie eine "Versicherung". Wer diese ausschlage, müsse auch die Folgen akzeptieren.
Dazu gehört auch, daß die zehn Notdienstfahrzeuge, die etwa vor Kliniken den Müll abholen, gemäß einer zwischen Stadtreinigung und Gewerkschaft getroffenen Vereinbarung nur mit Ver.di-Leuten besetzt werden, um den Nicht-Mitgliedern keine Möglichkeit zu geben, Geld zu verdienen.
Die Stadtreinigung spart durch den Streik täglich rund 300 000 Euro Personalkosten ein.
Ein Ende des Arbeitskampfes ist weiter nicht in Sicht. Ein Spitzengespräch in Berlin zwischen Ver.di-Chef Frank Bsirske und dem Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), blieb gestern in Berlin ohne Ergebnis. Morgen soll es in Hamburg auch zu Warnstreiks in den städtischen Bädern kommen. Immerhin: Auf St. Pauli wird dann der Müll abgeholt - per Notdiensteinsatz.











