Aleviten-Affäre: CDU-Politiker: "Habe Anträge nicht gesehen". Der Vorsitzende des Ortsverbands Finkenwerder erklärt sich die vielen Eintrittsanträge mit seinem Einsatz für Integration.

Seit Wochen ist er der umstrittenste Politiker der Hamburger CDU: der Bürgerschaftsabgeordnete Heiko Hecht, Ortsvorsitzender von Finkenwerder.

Alle Vorwürfe rund um den ominösen Masseneintritt in seinen Ortsverband ließ er unkommentiert, als auf wundersame Weise 204 Neuzugänge den kleinen Verband (78 Mitglieder) stärken sollten. Zwei Wochen lang war Hecht nicht erreichbar. Als die politischen Wogen in Hamburg hoch gingen, heiratete er seine langjährige Freundin und reiste in die Flitterwochen nach Kapstadt. Jetzt bricht er sein Schweigen - im Gespräch mit dem Abendblatt. Offene Fragen gibt es viele.

Hat Heiko Hecht den Eintritt von mehr als 200 Neumitgliedern organisiert, um seine Macht im Ortsverband Finkenwerder zu stärken? "Nein", betont er. Laut Hecht wurden die Mitglieder von Sympathisanten seines Ortsverbands geworben. Darunter sei der Kaufmann Ejdar Tatar aus dem Univiertel gewesen, aber auch andere. Wer genau dazugehörte, wisse er nicht. "Herr Tatar hatte mal ein Lokal, da kennt er natürlich viele Leute", sinniert Hecht. Seine eigene Position als Ortsvorsitzender sei nie gefährdet gewesen und sei es auch jetzt nicht, entsprechend habe er es nicht nötig, Stimmen zu rekrutieren. Hecht: "Ich bleibe Ortsvorsitzender, das ist ganz klar." Warum unter den potentiellen Neumitgliedern etliche waren, die gar nicht auf Finkenwerder wohnen oder arbeiten, kann sich der Ortsverbandschef auch nicht erklären. "Ich habe die Originale der Mitgliedsanträge gar nicht zu Gesicht bekommen", so Hecht, sie seien direkt von den Werbern bei der Zentrale des CDU-Landesverbands am Leinpfad abgegeben worden. "Später habe ich von der Landesgeschäftsstelle dann nur Mitgliedsbögen mit Namen und Geburtsdaten erhalten, und daran ist mir nichts Besonderes aufgefallen."

Ein anderes Phänomen ist für Heiko Hecht leicht zu erklären, nämlich, warum es sich bei den potentiellen Neumitgliedern fast ausschließlich um Menschen mit türkischen Namen handelt. Darunter sind Aleviten - eine Glaubensrichtung, die sich aus dem Islam entwickelt hat. "Ich setze mich schon lange erfolgreich für Integration ein." Er habe sich mehrfach in der Alevitischen Gemeinde in Altona vorgestellt. Seine Auftritte hätten für "viel Aufmerksamkeit" gesorgt, da sie "von einem ehrlichen und aufrechten Interesse" geprägt gewesen seien. Letztlich wollten Menschen aus Kreisen wie Altona und Eimsbüttel nur wegen der "persönlichen Bindung" an ihn den weiten Weg nach Finkenwerder auf sich nehmen.

Beispiele für Integration vor Ort in Finkenwerder hat Heiko Hecht allerdings nicht parat.

Leichter fällt ihm die Begründung für sein wochenlanges Schweigen. "Ich wurde vom Kreisverband darum gebeten", so Heiko Hecht, "im Interesse der Partei und weil es um schwebende Verfahren ging. Heute denke ich aber, daß es ein Fehler war, darauf einzugehen."

Mit dieser Behauptung konfrontiert, reagiert Kreischef Henning Tants ungehalten. "Ich weiß nichts von einem Maulkorb für Herrn Hecht und habe keine Lust, meinen Kopf dafür hinzuhalten."

Verärgert ist auch CDU-Landeschef Dirk Fischer, der auf Anfrage nicht glauben mag, daß Heiko Hecht die Anträge der ominösen Mitglieder vorab nicht gesehen hat. "Es gibt da eine Notiz, die das Gegenteil beweist", so Fischer, mehr will er "dazu nicht sagen". Heiko Hecht hat am kommenden Montag ausführlich Gelegenheit, zu all dem Stellung zu nehmen - dann muß er dem Landesvorstand persönlich Rede und Antwort stehen.