Keine Mauern, keine Gitter, kein Stacheldraht. Von außen sieht das einstöckige Gebäude aus wie ein ganz normaler Klinkerbau in Glasmoor (Norderstedt). Und doch ziehen am Montag elf Frauen nicht ganz freiwillig ein. Das Haus ist Hamburgs erstes Frauengefängnis nur für den offenen Vollzug. 46 Einzelhaftplätze bietet die neue Einrichtung, davon 27 in der offenen Abteilung. Für die anderen 19 Plätze gibt es eine intensive sozialtherapeutische Betreuung.

Zwei Hafträume sind als sogenannte Mutter-Kind-Zellen hergerichtet. Sie sind mit Kinderbettchen, Spielzeug und Kuscheltieren ausgestattet, die Wände in hellem gelb gestrichen. Inhaftierte Mütter müssen daher nicht von ihren Kindern getrennt werden. Justizsenator Roger Kusch (CDU) stellte das Frauenhaus als einen "weiteren Baustein unseres Konzepts für einen modernen und leistungsfähigen Strafvollzug in Hamburg" vor. "Für die Renovierung des Hauses haben wir nur 150 000 Euro ausgegeben. Das liegt daran, daß die Mitarbeiter der Anstaltsbetriebe mit Hand angelegt haben", sagt Wolfgang Schuchardt, Leiter der Haftanstalt Glasmoor.

In Hamburg gibt es mit den neuen Zellen nun insgesamt 205 Gefängnisplätze für Frauen. Die überbelegte Haftanstalt Hahnöfersand wird durch das neue Frauengefängnis Glasmoor entlastet. Auch waren offener und geschlossener Vollzug in Hahnöfersand nicht getrennt, was nach Meinung von Justizsenator Kusch keine ideale Lösung gewesen sei. In Glasmoor dürfen sich die Frauen tagsüber auf dem Gelände frei bewegen und arbeiten, etwa im Garten, der Küche oder der Reinigung. Wer eine Stelle in der Stadt hat, darf hierfür das Gefängnis verlassen. Sozialarbeiter helfen den Frauen, sich auf das Leben außerhalb der Haftanstalt vorzubereiten. Nur nachts werden die Frauen eingeschlossen. Bis Mai saßen in den Einzelzellen, die nun weibliche Gefangene beziehen, Männer ihre Haftstrafen ab. Die sind nun in einem Nebenhaus in Schlafsälen mit bis zu sechs Betten untergebracht.vlvu