16.08.05

Papst-Grab: Stein-Fragment entdeckt

Domplatz: Benedikt V. wurde 964 im Chorraum beigesetzt

Von Joseph Nyary

Der Füllschutt der Jahrhunderte wird noch gesiebt, da sieht Grabungstechniker Peter Schmitz (56) schon eine grüne Glasur glitzern. "Ich hab' hier was, was ist das denn?" fragt er. "Junge!" ruft Grabungsleiter Karsten Kablitz (49). "Da hast du aber ein Goldstück gefunden!"

Der Entdeckung führt zu einer ungewöhnlichen Idee: Das handtellergroße Ziegelfragment stammt von einem Ehrengrab für den einst nach Hamburg verbannten Papst Benedikt V. - nun soll eine originalgetreue Nachbildung der Grabplatte eine der Attraktionen des künftigen Archäologiezentrums auf dem Domplatz bilden. Das kündigte Helms-Museumsvorstand und Landesarchäologe Prof. Dr. Rainer Maria Weiss (38) gestern mittag bei einem Besuch von Kultursenatorin Dr.Karin Welck und Senatskanzleichef Volkmar Schön (48) an der Ausgrabungsstelle an.

Benedikt V., im Mai 964 von seinen römischen Landsleuten zum Papst gewählt, aber schon einen Monat später auf Druck Kaiser Ottos des Großen abgesetzt, starb kurze Zeit später angeblich als Opfer des nordischen Klimas. Der Leichnam wurde im Chorraum des Doms bestattet. 999 ließ Kaiser Otto III. ihn nach Rom überführen. Das Grab ging im 11. Jahrhundert bei einer Zerstörung des Doms verloren, wurde wohl um 1330 als leeres "Kenotaph" wiedererrichtet, aber 1782 bei Umbauarbeiten abgetragen. Bei früheren Ausgrabungen fanden sich bereits 14 Ziegelfragmente. Die Nachbildung der 2,50 x 2,20 Meter großen Platte in mittelalterlicher Technik kostet rund 30 000 Euro, zur Finanzierung verkauft das Helms-Museum demnächst antike Ziegel vom Domplatz, gereinigt und imprägniert, in limitierter Auflage als Buchstützen oder Briefbeschwerer.

Die Gebeine aus den mittelalterlichen Gräbern im und am Dom, die Kablitz und sein Team jetzt laufend neu- oder wiederentdecken, werden nach Abschluß der wissenschaftlichen Untersuchungen in Ohlsdorf wiederbestattet. Prof. Weiss und Grabungsleiter Kablitz präsentierten den Politikern auch einen glasierten Gesimsziegel von der Außenwand des gotischen Doms, Formsteine aus Ziersäulen, Spitzbogen oder Laibung in den Kirchenfenstern, ein wohl spätmittelalterliches Messer, zwei Eisenhanteln aus der Turnhalle des ehemaligen Johanneums, neuzeitliche Spielsteine und ein Kugellager aus dem in Huddersfield bei Coventry gebauten Motor eines Flugzeugs, das 1943 auf den Domplatz stürzte - Weiss: "Für uns genauso ein archäologisches Relikt wie eine Pfeilspitze."

Jüngster Fund ist ein aus dem Baggeraushub gesiebtes Zweimarkstück von 1982 mit dem Bild Kurt Schumachers und der Ortsangabe "Oberflächenabstrich Nordost-Bereich": "Schon nach nur 23 Jahren in der feuchten Erde sieht es wie eine antike Münze aus", sagt Weiss, "aber wenn der Eigentümer kommt, der es damals am Zigarettenautomaten verloren hat, geben wir es ihm natürlich zurück."

"Für mich ist besonders erstaunlich, wieviel sich selbst dort noch findet, wo schon andere Archäologen gegraben haben", sagte die Kultursenatorin und nahm den ersten Souvenirziegel in Empfang. Tausend weitere holen diese Woche Schüler des Johanneums mit Rektor Dr. Uwe Reimer in einer symbolischen Aktion ab. Die Backsteine sollen an der Maria-Louisen-Straße entweder zu einem Mauerfragment auf dem Campus aufgebaut oder für eine Traditionsecke im Foyer des Erweiterungsbaus verwendet werden. Die beiden Hanteln kehren als Dauerleihgabe ebenfalls in die Gelehrtenschule zurück.

"Der Spaß an Geschichte wird geweckt, und auch das finde ich ein ganz wichtiges Ergebnis der Ausgrabungen", sagte die Kultursenatorin. Hauptaufgabe der Archäologen bleibt indes die Suche nach der Hammaburg. "In den nächsten Monaten wird es immer spannender", verspricht Prof. Weiss, "denn jetzt geht es in noch unerforschte Böden, die vom mittelalterlichen Markttreiben am Dom festgestampft sind."

"Wenn die Hammaburg hier stand, dann finden wir sie auch", sagt Grabungsleiter Kablitz. "Wenn wir sie hier aber nicht finden, wissen wir immerhin, daß sie hier nie gestanden hat und wir das ganze Hammaburg-Thema neu andenken müssen." Womöglich liegt Hamburgs Keimzelle dann doch, wie lange vermutet, genau auf dem Gipfel des Geesthügels, unter der Grüninsel vor der Petrikirche, die bereits unter Denkmalschutz gestellt ist. Die Senatorin hielt schon Trost bereit: "Auch nach Troja", sagte sie, "wurde ja sehr lange gesucht."

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