Hotelprojekt: Brandsatz und Farbbeutel: Gegner der Pläne im Schanzenpark hinterließen eine Spur der Verwüstung.

Feuer und Farbbeutel, drei Anschläge in einer Nacht, die Attentäter hinterließen Bekennerschreiben: Sie wollen, so schreiben sie, mit ihren Taten gegen den Bau des Mövenpick-Hotels im Wasserturm im Sternschanzenpark protestieren. Der Staatsschutz der Hamburger Kripo ermittelt mit Hochdruck.

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Zahlreiche Gäste im "Marriott Hotel Treudelberg" erwachten in der Nacht zu Freitag, wenige Minuten nach 3 Uhr durch Feuerschein und die Geräusche der eintreffenden Feuerwehr. Unbekannte hatten einen Carport in Brand gesetzt, in dem sechs Caddie-Wagen und zahlreiche Golftaschen lagerten. Zeugen beobachteten Personen, die sich auf Fahrrädern davon machten. In einem Schreiben, das die Polizei in der Nähe des brennenden Unterstandes fand, formulierten die angeblichen Gegner des Bauprojektes im Schanzenviertel ihren Haß auf die Wasserturmpläne und Nobel-Hotels im allgemeinen. Offenbar einziger Grund für den Anschlag auf das Golfhotel in Lemsahl: Es ist ein Haus der deutlich gehobenen Klasse. Mit dem Projekt im Schanzenviertel haben weder das Management noch die Betreibergruppe etwas zu tun. Britta Werdich, Assistentin der Geschäftsleitung: "Der Sachschaden ist erheblich."

Etwa zeitgleich schleuderten unbekannte Täter Farbbeutel gegen das Haus eines Aufsichtsratsmitgliedes der Patrizia GmbH, die beim Wasserturm als Investor fungiert. Sie schlugen eine Scheibe des Hauses in Groß-Flottbek ein, schleuderten Beutel mit weißer Farbe in den Flur und gegen die Fassade des rotgeklinkerten Hauses. Die Ehefrau des Aufsichtsrates war in der Nacht gegen 3.30 Uhr durch den intensiven Farbgeruch wach geworden. Da waren die Täter schon über alle Berge. Patrizia-Projektleiter Jürgen Klein über den Anschlag: "Solch ein Verhalten ist inakzeptabel. Wer sich offen über das Wasserturm-Projekt informieren läßt, weiß, daß der Park für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt, das Grundstück auch nicht größer wird als geplant."

Ebenfalls in der Nacht zu Freitag flogen Farbbeutel gegen die Fassade des Bezirksamtes Eimsbüttel in den Grindelhochhäusern. Ein Wachmann bemerkte den Schaden um 5.38 Uhr. Ein Fenster war mit Steinen, andere Scheiben und das Mauerwerk mit farbgefüllten Flaschen beworfen worden.

Auch in Lübeck gab es einen Anschlag: Hier zerstörten zwei Männer (22 und 23) eine Fensterscheibe des Mövenpick-Hotels und kippten Farbe gegen weitere Fenster. Die Täter wurden nach kurzer Fahndung um 18.48 Uhr festgenommen.

Polizei-Vizepräsident Michael Daleki: "Die Abteilung Staatsschutz hat eine spezielle Ermittlungsgruppe eingerichtet. Die Kollegen arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung der Hamburger Taten."

Eine Absage der für heute angesetzten Demonstration gegen den Hotelbau im Schanzenpark sei geprüft worden, so Daleki: "Die Leute, die die Anschläge verübt haben, sind aber nach allen Erkenntnissen nicht mit den Organisatoren des Protestzuges in Verbindung zu bringen", so der Chef-Ermittler. "Wir werden allerdings weiterhin mit aller Härte gegen Störer vorgehen, wenn es im Laufe der Demo zu Ausschreitungen kommt." Weitere Maßnahmen würden gegebenenfalls vor Ort eingeleitet. Thomas Mülder, Leiter des Führungsstabes: "Wir werden mit einer ausreichenden Zahl von Beamten vor Ort sein."

Präventive Maßnahmen wie Dauerbewachungen Hamburger Hotels soll es zunächst nicht geben. Daleki: "Wir nehmen die Anschläge sehr ernst, wollen sie aber auch nicht überbewerten."