Altstadt: Von Berger baute Haus für umstrittene Organisation. Geld habe er nie bekommen.
Mehr als zwei Jahre lang ließ sich der Hamburger Architekt, Ingenieur und öffentlich bestellte Sachverständige Georg-Leo von Berger (70) hinhalten. Jetzt ist dem Baumeister der Kragen geplatzt: "Ich bin ein Scientology-Opfer, obwohl ich dieser Vereinigung nie beigetreten bin", sagt von Berger (70). Die Firma Waterfront GmbH, Eigentümerin des Gebäudes an der Domstraße, in der die Hamburger Scientology-Zweigstelle residiert, schulde ihm noch rund 100 000 Euro. Seit dem Jahr 2002, so von Berger, versuche er, an sein Geld zu kommen. Doch die Firma Waterfront sei einfach nicht zu fassen. Nach Erkenntnissen der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology handelt es sich bei Waterfront um eine Briefkastenfirma im Geflecht der Scientology-Organisation. Alle Versuche, über Scientology einen Adressaten für seine Rechnungen zu bekommen, wurden, so der Architekt, abgewiesen.
Scientology: Kritik und Klagen
1999 hatte von Berger in einer dreimonatigen Hau-ruck-Aktion das von Waterfront erworbene Gebäude umgebaut. Am 25. Oktober des Jahres, mitten in der Bauphase, habe der damalige Waterfront-Chef Robert Roseman ihn in eine Suite des Hotels Vier Jahreszeiten eingeladen und mitgeteilt, daß Scientology in das Haus einziehen werde - und zwar sofort. Die Firma Waterfront hatte damals eine Adresse am Baumwall 7 (City). Doch nicht einmal staatlichen Organen, die versuchten, unter dieser Anschrift Zwangsgelder zu vollstrecken, soll dies gelungen sein. Später wechselte die Waterfront-Adresse an die Domstraße 9 - dem durch von Berger umfangreich umgebauten Scientology-Haus.
Dorthin adressierte Briefe fanden nie, so von Berger, den richtigen Empfänger: "Die Scientology-Präsidentin sagte zwar freundlich ihre Hilfe zu, doch mein Geld habe ich bis heute nicht. Ich werde den Mahnbescheid jetzt öffentlich zustellen lassen und einen Anwalt einschalten, um an mein Geld zu kommen." Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology: "Tarnen und Täuschen, das ist typisches Scientology-Geschäftsgebaren. Die Firma Waterfront ist im Handelsregister eingetragen, doch Geschäftstätigkeiten gab es zuletzt nicht."
Baumeister von Berger: "Ich ruiniere meine Gesundheit, bin gezwungen, immer weiter zu arbeiten, um die Außenstände kompensieren zu können." Frank Busch, Sprecher von Scientology Hamburg, erklärte gestern auf Anfrage, daß Scientology Hamburg lediglich Mieter sei und zu dem Streit zwischen Waterfront und von Berger nichts sagen könne. Eine offenbar für Waterfront tätige Steuerberaterin in Horb-Altheim (Baden-Württemberg) war gestern für das Abendblatt nicht zu sprechen.











