Lange Reihe: Im Kräuterhaus werden mehr als 400 verschiedene Gewächse angeboten.

Die massiven alten Holzfässer stehen überall. An der Wand hinter der Kasse stapeln sie sich bis zur Decke. Unter den Tischen und Ablagen sind sie dicht aneinander gereiht. Selbst im Schaufenster sind einige untergebracht. Ihr kostbarer Inhalt: Kräuter. Mehr als 400 verschiedene. Sie alle befinden sich in einem Geschäft, dessen Name Programm ist: Kräuterhaus. Ob Blüten, Wurzeln, Rinden oder Harze, ob Altbekanntes wie Kamille, Thymian und Salbei oder Exotisches wie die Kalmuswurzel - in dem nur rund 20 Quadratmeter kleinen Laden an der Langen Reihe in St.Georg gibt es alles, was die Natur zu bieten hat. Und das ist nicht wenig.

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Hamburger Abendblatt

"Unsere Kräuter können bei sehr vielen Erkrankungen Linderung bringen. Besonders die Symptome von grippalen Infekten lassen sich gut bekämpfen", sagt Ursula Brockmöller, die seit mehr als 20 Jahren im Kräuterhaus arbeitet. Auf Grund ihrer jahrelangen Erfahrung weiß die ehemalige kaufmännische Angestellte, die bei der Handelskammer eine Prüfung für frei verkäufliche Arzneimittel abgelegt hat, ganz genau, gegen welches Wehwehchen welches Kraut gewachsen ist: "Bei Halsschmerzen sollte man mit Salbei oder Odermennig gurgeln, gegen Kratzen in den Bronchien hilft ein Tee aus Blauer Malve, Eibischwurzel oder Königskerzenblüten. Zum Inhalieren eignen sich Kamille, Eukalyptusblätter oder Thymian. Schlüsselblumenblüten, Spitzwegerich und Isländisch Moos sind schleimlösend", verrät Brockmöller. "Und wer gar nicht erst krank werden will, sollte vorsorgen: mit Lindenblüten oder Hagebuttenschalen, die enthalten viel Vitamin C und stärken die Abwehrkräfte."

Für die Kunden im Kräuterhaus sind diese Ratschläge Gold wert. "Viele kommen mit speziellen Beschwerden und wollen es lieber erst mal mit etwas Natürlichem versuchen, bevor sie zur Chemie greifen", sagt Brockmöller. Denen verrät die freundliche Kräuterhexe dann auch, dass man zum Inhalieren in der Badewanne die Kräuter in einen Strumpf verpacken sollte und dass statt einer Aspirin-Tablette oftmals auch ein Tee aus Weidenrinde gegen Kopfschmerzen hilft. "Kräuter können jedoch immer nur unterstützen", sagt Brockmöller. "Bei starken und lang anhaltenden Beschwerden raten wir immer, einen Arzt aufzusuchen."

Das empfiehlt auch Prof. Rainer Laufs (64), Leiter des Instituts für Mikrobiologie am UKE. Trotzdem ist er ein Befürworter der Naturmittel: "Diese Hausmittel haben sich jahrzehntelang bewährt. Richtig angewendet sind sie wirksam, da der heiße Dampf die Schleimhäute entlastet und die Atemwege frei werden."

Doch nicht nur kranke Menschen werden im Kräuterhaus beraten. Auch wer nur Gewürze, getrocknete Früchte, ätherische Öle oder eine leckere Teemischung sucht, wird hier fündig. Und ein paar Zubereitungstipps gibt es gratis dazu.