Die Aussagen der Beteiligten geben ein zum Teil widersprüchliches Bild.

Die Schüler-Demo, die in Krawallen endete: Etwa 19 000 Demonstranten trugen friedlich ihren Protest gegen den Irak-Krieg vor. 1000 gerieten in Auseinandersetzungen mit der Polizei. Hat sie überreagiert? Tragen die Schüler eine Mitschuld? Hamburg diskutiert weiter. Beim Abendblatt meldeten sich Zeugen. Ihre Aussagen geben ein zum Teil widersprüchliches Bild. Empörung über das Vorgehen der Polizei - aber auch dies: Die Beschreibung eines Berufsschülers, der angibt, die Polizei habe die Jugendlichen mehrfach zum Verlassen der Demo aufgefordert. Das betonen auch die Berufsverbände der Polizei. Nahmen die Schüler die Aufforderungen nicht ernst? Aussagen: Stefanie Klimke (17), Schülerin des Matthias-Claudius-Gymnasiums hatte vor dem US-Generalkonsulat Stellung bezogen. "Irgendwann wurde es vor der Absperrung unruhig. Ein paar Schüler beleidigten Polizisten, warfen mit Flaschen. Das war schade, weil die friedliche Atmosphäre zerstört war. Plötzlich gingen die Wasserwerfer los. Es brach Panik aus - gerade bei den Elf- und Zwölfjährigen. Durch die Wucht des Wassers stürzten sie, manche wurden übertrampelt. Ich bekam von einem Polizisten einen festen Schlag auf den Rücken." "Die Kinder beobachteten, wie die Polizei losprügelte", sagte Elimar St. Seine Tochter (16) besucht eine Walddörfer Schule, war mit Freundinnen dabei. "Sie sahen hinter sich Polizisten in Kampfmontur, die einen Jugendlichen mit Knüppeln zusammenschlugen. Obwohl der Junge längst am Boden lag, traten die Polizisten immer wieder nach. Meine Tochter wurde einer Leibesvisitation unterzogen, obwohl sie völlig friedlich war." Berufsschüler Kim Schönert: "Die Polizei hatte zuvor zwölfmal dazu aufgefordert, das Werfen von Gegenständen zu lassen und sich vom Konsultat zu entfernen. Kaum jemand beachtete das. 100 Prozent dieser Jugendlichen hatten nur Lust auf Randale." Doris (54) und Holger (50) Schwettscher wohnen in der Nähe der Universität an der Bundesstraße 3. Sie sahen, wie Polizisten dort eine kleine Gruppe von Demonstranten über längere Zeit "einkesselten"- das heißt, sie wurden so umzingelt, dass sie nicht mehr weg konnten. "Wir gingen auf die Straße. Im Kessel befanden sich Mädchen und Jungen im Alter ab etwa zwölf Jahren. Sie waren verängstigt und völlig ruhig. Dann begannen die Polizisten, die Kinder mit Handschellen gefesselt in einen HVV-Gelenkbus zu bringen. Erst nach Protest der Anwohner war die Polizei bereit, auf die Handschellen zu verzichten." Florian Schuler (21), Jura-Student aus Harburg, sei zufällig in den Kessel geraten. "Plötzlich sagte ein Polizist, ich hätte mich der Anordnung widersetzt. Ich wusste nicht, was los war. Drei Stunden lang durfte ich mich nicht wegbewegen. Mit vier Jungs und einem 14-jährigen Mädchen wurden wir dann in Einzelzellen der Neugrabener Polizei gebracht." Wie bewerten die Berufsvertreter der Polizei die Situation? Ihrer Meinung nach ist der Einsatz der Polizei gerechtfertigt gewesen. Bevor die Beamten mit Schlagstöcken und Wasserwerfern eingegriffen haben, hätten sie ausreichend gewarnt, sagten Vertreter der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und der Polizei-Gewerkschaft (DPolG) gestern.har