Schülerdemo gegen Irak-Krieg. 161 Teilnehmer festgesetzt, drei Polizisten und mehrere Protestler verletzt.
Es war eine machtvolle Demonstration gegen den Krieg im Irak. Aber sie endete mit einem Chaos aus Steinwürfen auf Polizisten und Schülern, die vor Wasserwerfern flüchteten. Gestern, 12.35 Uhr vor der Absperrung zum US-Generalkonsulat am Alsterufer: Die Abschlusskundgebung des Protestmarsches von über 20 000 Hamburger Schülern ist eigentlich schon beendet, 19 000 Teilnehmer sind schon auf dem Heimweg, als plötzlich Steine, Flaschen, Eier und Böller fliegen. Nach Polizeiangaben sind es rund 1000 Jugendliche, aber auch erwachsene Palästinenser und Kurden, die zu randalieren beginnen. Nach zwölf Aufforderungen, die Veranstaltung aufzulösen, setzt die Polizei um 13.01 Uhr erstmals vier Wasserwerfer ein. Sie rückt vor, es kommt auch zu Schlagstock-einsätzen. Es gibt 36 Festnahmen und 125 Ingewahrsamnahmen. Drei Polizisten und mehrere Demonstranten werden verletzt. Rund 500 Demonstranten reagieren mit einer Sitzblockade auf der Kreuzung Theodor-Heuß-Platz. Die Menge wird von rund 900 Polizisten über die Edmund-Siemers-Allee bis zur Bundesstraße gedrängt. Einzelne Demonstranten rennen auf die Gleise beim Dammtorbahnhof, die Bahn stellt den Verkehr zwischen Altona und Hauptbahnhof von 14.08 bis 14.45 Uhr ein. "So ein vehementes Durchgreifen gegen Kinder habe ich noch nie gesehen. Krawallmacher müssten einzeln rausgegriffen werden", sagt Politik-Doktorant Carlos Serradilla (34). Polizeipräsident Udo Nagel (51) appelliert später an alle Beteiligten, friedlich zu demonstrieren. "Wer sich bewaffnet und Polizeibeamte angreift, verstößt gegen das Grund- und Versammlungsgesetz." Als sich der Konflikt gegen 14.30 Uhr beruhigt, diskutieren Schüler bereits das Erlebte: "Klar, dass die Polizei zurückschlägt, wenn sie angegriffen wird", meint Timo (15) vom Lohmühlen-Gymnasium. "Du argumentierst genau wie Bush: Auge um Auge", hält Anne (18) vom Albrecht-Thaer-Gymnasium dagegen. Währenddessen stützt sich Jessica Peters (17) auf ein Geländer. Ihre weiße Hose ist voller Schlamm. "Alles hatte so friedlich angefangen", sagt sie. Spontan war sie am Morgen von der Gesundheitsschule Uferstraße aus dem Aufruf der über Internet verbreiteten Kampagne "Jugend gegen Krieg" gefolgt und zum Sammelpunkt am U-Bahnhof Hamburger Straße gefahren. Die Wagen der Linie U 2 quollen über vor Schülern mit Peace-Zeichen im Gesicht und Spruchbändern unterm Arm. "Die Sache traf uns völlig unvorbereitet", sagt Hochbahn-Sprecher Falko Niemeyer. Schüler hätten die Notbremse gezogen und seien über die Gleise gelaufen. Es gab Verspätungen von bis zu 50 Minuten. Die Demo selbst verlief über den Mundsburger Damm bis zur SPD-Geschäftsstelle an der Kurt-Schumacher-Allee. Dort stießen ab 10.55 Uhr Schüler aus anderen Stadtteilen dazu. Gegen 11.15 Uhr setzten sich mehrere Tausend Personen Richtung Innenstadt ab, die Organisatoren sprachen mit der Polizei kurzfristig eine Erweiterung der Route bis zum Alsterufer ab. Vor der Demo war umstritten, ob Schüler während der Unterrichtszeit für den Frieden auf die Straße gehen dürfen. Für die Bildungsbehörde bedeutete die Teilnahme unentschuldigtes Fehlen: Die Schulpflicht ist im Schulrecht klar geregelt. Diesmal wollen viele Schulen aber eine Ausnahme machen. Wie eine Umfrage des Abendblatts ergab, akzeptieren viele Schulen eine nachträgliche Entschuldigung der Eltern.












