1650 Autonome - und so gut wie keine Krawalle. Was eigentlich Normalität sein sollte, ist in Hamburg eine Nachricht. Eine solche Bilanz gab es in...

Schwarz gekleidete Autonome auf einer Demo im Schanzenviertel im Dezember des vergangenen Jahres.

Schwarz gekleidete Autonome auf einer Demo im Schanzenviertel im Dezember des vergangenen Jahres.
Foto: dpa

1650 Autonome - und so gut wie keine Krawalle. Was eigentlich Normalität sein sollte, ist in Hamburg eine Nachricht. Eine solche Bilanz gab es in den zurückliegenden Jahren nie nach Großdemonstrationen. Die linke Szene ist teils begeistert, teils enttäuscht über den Verlauf der Dinge am Rande der Einheitseiern, so wie sie auch am Abend der Demo gespalten war, was den Bau von Barrikaden anging: Autonome räumten Barrikaden anderer Autonomer von der Straße. Fast kam es zu Prügeleien unter Linken.

Es scheint, als stünde die Szene vor einem Umbruch: Marschierte zu "Bambule-Zeiten" bis vor einem Jahr an der Spitze einer jeden Demo des Spektrums ein fest umrissener "Schwarzer Block", hüllen sich inzwischen 80 Prozent der meist jungen Protestierer in entsprechende Kleidung. Schwarze Kapuzenjacken, meist von der Marke "The North Face", schwarze Handschuhe, dunkle Sonnenbrillen, schwarze Jeans, Turnschuhe. Der Protest ist zur Mode geworden - selbst ultrarechte "Freie Nationalisten" haben den Auftritt des linken "Schwarzen Blocks" eins zu eins kopiert.

Und: Der Protest scheint sich in Teilen schleichend zu entpolitisieren: Längst spricht die Polizei von "erlebnisorientierten Jugendlichen", wenn sie die Kernklientel der für regelmäßige Randale Verantwortlichen umschreiben will. Sie sind es offenbar auch, die immer wieder von "alteingesessenen" Linken, beispielsweise aus dem Umfeld der Nutzer der Roten Flora zur Raison gebracht werden, wenn es um gewalttätige Aktionen geht. Diesmal ist es den Besonnenen gelungen, das Gewaltpotenzial bei annähernd null zu halten - die aufgebotene polizeiliche Übermacht spielte ihnen bei diesem Ansinnen allerdings in die Karten - auch wenn sich der Protest in Teilen gegen den "Polizeistaat Deutschland" richtete.

In einschlägigen Internetforen ist nach dem Demonstrationswochenende von einer "Schlappe" die Rede, von einem "Reinfall". Doch es gibt mindestens ebenso viel Zufriedenheit über den friedlichen Verlauf des Wochenendes.

An anderer Stelle heißt es, das Ziel der Demonstration sei eigentlich gewesen, "Kleingruppen auf das Bürgerfest zu schleusen". Dies sei auf Flugblättern im Demo-Aufzug kommuniziert worden. Aber einige Demonstranten hätten die Zettel einfach weggeworfen. Die Polizei habe sie dann nur noch aufheben müssen, um zu wissen, wie der angebliche "Plan B" ausgesehen habe.jel