Mehrfach hatte Natalie R., die Mutter, die ins Amt gekommen war, um mit ihrer Sachbearbeiterin über das Sorgerecht für ihre jüngste Tochter zu sprechen, zugestochen. Sie verletzte die Beamtin Birgit R. (55), die Frau, die ihr zuvor schlechte Nachrichten offenbart hatte, so schwer, dass sie tagelang im Krankenhaus liegen musste. Mehrere Operationen retteten ihr Leben. Die Tat, die sich am 3. April im Jugendamt Eimsbüttel ereignete, entfachte die Diskussion um die Sicherheit der Hamburger Beamten neu. Wie berichtet, hat sich die Zahl der Übergriffe und Drohungen gegen Hamburger Beamte zwischen 2001 und 2006 fast verdoppelt.
Ein Kollege der niedergestochenen Birgit R., Vertrauensmann der Gewerkschaft Ver.di, erhebt schwere Vorwürfe: Aus Personalmangel würden Gespräche, die schon im Vorwege als kritisch oder gefährlich eingestuft werden, allein geführt. Dabei gäbe es durchaus die Maßgabe, dass zu solchen Gesprächen Kollegen mit heranzuziehen seien. Das scheitere aber in der Praxis regelmäßig. Auch er, so berichtet der langjährige Sozialarbeiter, habe schon Morddrohungen erhalten. So etwas sei wohl nahezu jedem Kollegen, in Eimsbüttel wie in anderen Bezirken, passiert.
Ver.di-Bereichsleiterin Sieglinde Frieß ergänzt: "Alle Mitarbeiter, zumindest in den Bereichen, in denen es um Sorgerecht, Amtsvormundschaften und Ähnliches geht, kennen Bedrohungen und Gewalt. Wenn dann zudem immer weniger Mitarbeiter immer mehr Kunden betreuen und weniger Zeit für sie haben, wird es auch immer gefährlicher." Es sei an der Zeit, so Frieß, die Ämter wieder mit mehr Personal und besseren Sicherheitsstandards auszustatten. Das sieht auch der Kollege der niedergestochenen Birgit R. so. Er sagt aber auch: "Selbst Sicherheitsschleusen und ein zweiter Kollege im Zimmer hätten diese geplante Gewalttat wohl nicht verhindert." Der Beamte und Ver.di-Vertrauensmann fordert vor allem Verbesserungen im Bereich der Prävention: "Jugendhäuser, Mütterberatungen, Familienhilfen werden weniger. Das bekommen wir im Amt zu spüren."
Nach Abendblatt-Informationen will der Senat, der bereits im Jahr 2006 eine Arbeitsgruppe zum Thema "Gewalt am Arbeitsplatz" ins Leben gerufen hatte, eine Checkliste als Handlungshilfe für die Behörden erstellen lassen. Die Liste soll den Mitarbeitern helfen, Gefährdungslagen besser einschätzen zu können. Im Juni 2008 soll die Checkliste in den Ämtern und Behörden verteilt werden.











