Das Ehepaar Elke Andresen (65) und Klaus Schleisiek (57) hat die Gruppe unter dem Dach der Patriotischen Gesellschaft gegründet.
Als junge Erwachsene demonstrierten sie gegen die Notstandsgesetze. Später, als sie älter wurden, gingen sie zu Anti-Atom-Kundgebungen und protestierten gegen die Bildungspolitik. Heute sind Klaus Schleisiek und seine Frau Elke Andresen 57 und 65 Jahre alt - und immer noch aktive Demonstranten. Ans Aufhören denken die beiden noch lange nicht. Im Gegenteil: Zusammen mit Gleichgesinnten haben sie die "Senioren für Deeskalation" ins Leben gerufen - eine Arbeitsgruppe, die die Hamburger Demonstrationsszene verfriedlichen will. "Wir sind so etwas wie ein "Puffer" zwischen Polizei und Demonstranten", sagt Klaus Schleisiek. "Das heißt: Wir gehen zwischen die Fronten und versuchen zu schlichten."
Die Idee ist dem Ehepaar Schleisiek/Andresen im vergangenen Jahr bei der Asem-Demo in Hamburg gekommen. Während sie ganz vorn in der ersten Reihe mitmarschierten, merkten sie plötzlich, welche Wirkung sie als ältere Menschen auf die anderen hatten. "Allein unsere Anwesenheit hat auf beiden Seiten für große Verunsicherung gesorgt - und damit deeskalierend gewirkt", sagt Klaus Schleisiek. Die Idee für die "Senioren für Deeskalation" war geboren.
Ihre erste Bewährungsprobe hatten Elke Andresen, Klaus Schleisiek und ihr Bekannter Wolf Gevert (71) bei der Demonstration gegen "Repression und staatliche Kontrolle" im Dezember 2007 in Hamburg, als sie sich gezielt zwischen dem schwarzen und grünen Block positionierte, um eine Eskalation zu verhindern. "Natürlich war das ein beängstigendes Gefühl", sagt Wolf Gevert. Doch dann sei die Angst abgefallen, nur die Aufgabe zählte. Die Aufgabe, Gewaltausbrüche abzuwehren. Auf beide Seiten beruhigend zu wirken. Zweimal sei die Situation fast eskaliert, zweimal konnten die Senioren schlichten. "Und das nur durch unsere Anwesenheit", so Elke Andresen. Schließlich traue sich fast niemand, Senioren anzugreifen. Das Prinzip hat auch andere überzeugt und zu positiven Reaktion geführt. Bereits während der Demonstration haben sich noch andere den Senioren für Deeskalation angeschlossen. So wie Helgrid Hinze (73). "Es ist eine Bürgerpflicht zu demonstrieren und für seine Meinung einzutreten. Auch als alter Mensch", sagt sie.
Inzwischen haben die Senioren ihr Spektrum erweitert und eine Gruppe für Deeskalation ohne Altersbeschränkung unter dem Dach der Patriotischen Gesellschaft gegründet.
"Schließlich geht das Thema alle Altersgruppen an: die Wahrung des Demonstrationsrechts", sagt Schleisiek. Es könne nicht sein, dass sich Menschen nicht mehr auf Demos trauen, weil sie Angst vor gewalttätigen Auseinandersetzungen haben.
"Demonstration ist ein Bürgerrecht. Und Demokratie bedeutet mehr, als alle vier Jahre wählen zu gehen", so Schleisiek. Er und die anderen haben viel vor: Sie wollen Gespräche zwischen Polizei und Demonstrationsteilnehmern veranstalten und Konflikte bereits im Vorfeld aus dem Weg räumen. Und sie wollen Kontakt zum schwarzen Block pflegen. "Viele werfen uns vor, mit dem schwarzen Block zu sympathisieren. Doch das ist falsch. Uns geht es nur darum, das Bürgerrecht auf Demonstration zu verteidigen", so Schleisiek. Er weiß, wovon er spricht. Schon als junger Mensch war er auf Kundgebungen und hat für seine Überzeugung demonstriert. Und das will er auch weiterhin. Egal, wie alt er ist. Die Arbeitsgruppen für Deeskalation sucht neue Mitglieder. Informationen bekommen Interessierte unter der Telefonnummer 040/45 03 74 85 oder unter deeskalation.wordpress.com im Internet.











