Einen ganzen Tag hatte sich Niedersachsens Ministerpräsident und Wahlsieger Christian Wulff (CDU) freigenommen, um in Hamburg den Wahlkampf von Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zu unterstützen. Das straff geplante Besuchsprogramm fand seinen Höhepunkt in einem geradezu tumultartig verlaufenden "Rundgang" der beiden durch das Harburger Phoenix-Center. "Die schaffen in einer Viertelstunde gerade mal acht Meter", sagte Harburgs CDU-Kreischef Ralf-Dieter Fischer und zuckte mit den Schultern angesichts der Menschentraube aus Kameraleuten, offensichtlich entzückten Schülerinnen und Autogrammjägern, die die Politiker permanent umringte und ein Vorankommen fast unmöglich machte.
Doch beide demonstrierten jene "gelassene norddeutsche Art", mit der - so Beusts bei jeder Reporterfrage aufs Neue formulierte Erkenntnis - schon Wulff im Gegensatz zu Hessens Ministerpräsident Roland Koch punkten konnte. Für längere Gespräche mit den Harburgern blieb kaum Raum, zumal die Regierungschefs sich quasi minütlich für Erinnerungsfotos - die meisten per Handy geschossen - bereitstellen mussten.
Rolf Weber, der mit seiner Frau Christel extra wegen des Besuchs der Politiker ins Phoenix-Center gekommen war, schmunzelte über die Begeisterung, mit der gerade die weiblichen Teenager auf den hohen Besuch reagierten: "Die machen zwischen Ole von Beust oder Sänger Bushido offenbar gar keinen Unterschied." Während Weber am 24. Februar CDU ankreuzen will, tendiert seine Frau zu den Grünen: "Das ist doch eine ganz aktuelle Kombination", sagte sie augenzwinkernd im Hinblick auf die Debatte über eine mögliche schwarz-grüne Koalition nach der Wahl. Die Schülerinnen Bengi (15), Ebru (13), Yanet (14) und Bahar (14) sagten nachher, sie würden zu Hause von Beusts nettem Besuch berichten: "Wir dürfen ja noch nicht wählen." Wulff, für den das Harburger Land ureigenes Wahlkampf-Revier ist, sagte nachher anerkennend: "Ole von Beust und ich konkurrieren hier inzwischen um die Sympathien der Menschen. Er ist der erste Hamburger Bürgermeister, der den Umlandgemeinden auf Augehöhe begegnet."
In einem Punkt aber war Wulff nicht bereit, dem Kollegen entgegenzukommen: Sein Nein zur Elbvertiefung, so machte Wulff in einer Rede vor den Mitgliedern des CDU-Wirtschaftsrates im Hotel Atlantic deutlich, gelte weiterhin. Niedersachsen sei nicht gegen das Vorhaben, doch müssten alle Bedenken bezüglich der Deichsicherheit ausgeräumt sein, bevor man grünes Licht geben könne. Da hatte sich in der Hamburger CDU mancher mehr erhofft. Beust sagte, er erwarte von Wulff keinen "Blankoscheck".











