Günter Fink hat sie mal gezählt, die Brumis. Mit Freunden hat er sich dabei abgewechselt, zählen im Schichtdienst. "4000 Lkw in 24 Stunden fuhren hier vorbei", sagt der 70-Jährige.
Der Rentner wohnt an der "Cuxe" in Hausbruch, seit 50 Jahren. So nennen die Anwohner die Cuxhavener Straße, die Bundesstraße 73 - "es ist ein Leben mit Lärm", sagt der Mann, der sich mit rund einem Dutzend weiterer Mitstreiter in der "Bürgerinitiative B 73" engagiert. In einem Brief an Innensenator Udo Nagel (parteilos) zieht das Bürgerbündnis, das für eine Verkehrsberuhigung an der "Cuxe" kämpft, jetzt eine erste Bilanz: Zwar habe sich das Überholverbot für Lkw für eine Teilstrecke der B 73 bewährt, die Lage sei etwas besser geworden. Aber: "Die Lärm- und Umweltbelastungen durch Lkw sind immer noch schlimm hier", resümiert Fink gegenüber dem Abendblatt.
"Todesstrecke", so wird die knapp 100 Kilometer lange Hauptachse zwischen Hamburg und Cuxhaven auch von Bürgern genannt. Jährlich gibt es dort im Durchschnitt 71 Verkehrsunfälle mit 82 Schwerverletzten und zwölf Toten. 32 000 Pendler, so die offizielle Schätzungen, fahren täglich auf der "Cuxe". Vor allem aber Lkw. "Da, schauen Sie, drei Laster hintereinander, und ein Lkw überholt einen anderen", sagt Fink. Er steht auf seinem Balkon. Hat ein schönes Haus mit Kamin, 250 Quadratmeter. Mit Garten. Wenn da nicht der Lärm wäre. Schlafen, sich unterhalten, telefonieren, fernsehen bei offenem Fenster? "Können Sie vergessen, unmöglich", sagt Fink.
Sein Nachbar Karl Peper (69), nickt. Eine Uhr brauche er eigentlich gar nicht, sagt er scherzhaft. "Je nachdem, wie laut es ist, wie viele Lkw vorbeifahren, weiß ich ungefähr, wie spät es ist", sagt er amüsiert. Seit 70 Jahren wohnt Peper an der Cuxe. Dort ist er geboren, aufgewachsen, dort will er bleiben. Trotz des Lärms. Fink auch. "Man hat hier zu viel Geld reingesteckt ins Haus", sagt er. Wenn man vor 25 Jahren gewusst hätte, wie sich der Straßenverkehr hier entwickeln würde . . ., "tja dann", seufzt er, "dann hätte man hier wohl nicht so viel investiert." Peper hat eine Tür im Haus, die jedes Mal "klappert", wenn die Lkw vorbeidonnern. Er schmunzelt: "Wenn man Gäste hat, hat man gleich ein Thema, den Lärm."
Fink kämpft in der Bürgerinitiative seit zwei Jahren für Verbesserungen. "Hier gibt es Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, wir wollen die Wohn- und Lebensqualität verbessern, vor allem für unsere Nachkommen", sagt der Rentner energisch. Auf dem Balkon fixiert er die Laster, die unten vorbeirauschen. 60 Kilometer pro Stunde dürfen sie dort fahren. Fink: "Aber viele fahren hier oft viel schneller." Die Initiative fordert unter anderem: mehr Geschwindigkeitskontrollen an der Cuxe, Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde. Sie hofft auf die A 26, die gebaut werden soll und dann wohl Entlastung auf der Cuxe brächte. Irgendwann. "Die Wirtschaft muss boomen, darf aber die Menschen nicht vergessen", sagt Fink.
Beim Bürgermeister hatten die B-73-Engagierten schon eine Audienz. Von Beust habe Verständnis geäußert. Und gesagt, dass er stets mit Ohropax schlafe. Peper schmunzelt. "Habe ich auch versucht, geht bei mir nicht", sagt der Rentner. Die Initiative will weiterkämpfen. Für ihre Cuxe. Im September beispielsweise mit Aktionen auf dem Wochenmarkt in Neugraben. Es ist Mittag - und gerade mal etwas ruhiger auf der Cuxe. "Sekunden zum Ausspannen", sagt der Rentner. Und zeigt Galgenhumor: "Wirkliche Ruhe, Frieden hat man eben erst später, auf dem Friedhof."












