11.06.07

Festakt: Talmud-Tora-Schule nach 65 Jahren wiedereröffnet - Gebäude für drei Millionen saniert

"Die Jüdische Gemeinde ist wieder zu Hause"

Das neue Zentrum beherbergt unter anderem die Gemeindeverwaltung und einen Kindergarten. Erstmals wurde auch die Herbert-Weichmann-Medaille vergeben.

Von Franziska Coesfeld
Foto: dpa
Andreas Wankum (l.), Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Hamburg, und Rabbiner Schlomo Bistritzky vor der Talmud-Tora-Schule.

"Ein Traum hat sich erfüllt. Denn das jüdische Leben Hamburgs ist nach Hause zurückgekehrt - ins Grindelviertel." Für Andreas Wankum, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, war die Wiedereröffnung der Talmud-Tora-Schule - dem neuen Zentrum der Jüdischen Gemeinde in Hamburg - ein bewegender Moment. Mit einem Festakt wurde das für drei Millionen Euro sanierte Gebäude am Grindelhof 30 gestern offiziell eingeweiht.

Die Sanierung wurde von der Stadt, von Stiftungen und von den Beiträgen der Gemeindemitglieder finanziert. "Für uns ist diese Eröffnung etwas Einmaliges", sagte Wankum in seiner Ansprache vor knapp 300 Gästen. "Denn an diesem Ort beginnen wir nicht etwas Neues, sondern knüpfen an Traditionen an." Im Rahmen der Feierlichkeit wurde erstmals die Herbert-Weichmann-Medaille für besondere Verdienste um das jüdische Leben in Deutschland verliehen. Der Preis ist nach Hamburgs ehemaligem Bürgermeister, der von 1965 bis 1971 regierte, benannt. Die Auszeichnung erhielten Hermann-Hinrich Reemtsma, dessen Stiftung den Umzug der Jüdischen Gemeinde mit 500 000 Euro unterstützt hatte, und der 2006 verstorbene Unternehmer Paul Spiegel. Giselle Spiegel nahm die Medaille für ihren Mann, den ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, entgegen.

"Paul Spiegel war ein Brückenbauer, ein Vermittler", sagte der Schauspieler und enge Freund des Verstorbenen, Uwe Friedrichsen, in der Laudatio. Paul Spiegel habe wesentlich zum Miteinander beigetragen. Worte, die vor allem Giselle Spiegel berührten. "Ich bin heute aus Liebe zu meinem Mann hierhergekommen", sagte die Witwe. "Ich fühle, dass er bei uns ist und sich sehr freut. Für den Preisträger Hermann-Hinrich Reemtsma hielt Andreas Wankum die Laudatio: "Er ist ein Mann, der nach dem Motto ,Tue Gutes und rede nicht lange drüber' handelt." Reemtsma spende im Sinne der Sache, und nicht im eigenen Interesse. "Das macht ihn zu einem besonderen Mäzen."

Vor 65 Jahren, am 30. Juni 1942, war die Talmud-Tora-Schule von den Nationalsozialisten geschlossen und zu einem Sammelplatz für Deportationen umfunktioniert worden. Von den 343 Schülern überlebten nur wenige. Nach dem Krieg kaufte die Stadt das 3000 Quadratmeter große Gebäude von der Jewish-Claims-Conference. Zwischenzeitlich befand sich in den Räumlichkeiten die Bibliothek der Fachhochschule. Im Jahr 2004 gab die Hansestadt das historische Gebäude durch eine Schenkung an die Jüdische Gemeinde zurück, die heute etwa 3500 Mitglieder zählt. Das neue Jüdische Zentrum beherbergt nun unter anderem die Gemeindeverwaltung und einen Kindergarten, in dem die Kleinen mit koscherem Essen versorgt werden. Nach den Sommerferien eröffnet hier zudem die wieder begründete jüdische Joseph-Carlebach-Schule. Eine Privatschule, die auch von Kindern besucht werden kann, die nicht jüdischen Glaubens sind. Die Kosten betragen monatlich etwa 250 Euro. "Bisher sind etwa zehn Kinder angemeldet", sagt Wankum. Weitere Anmeldungen seien noch möglich.

Für Staatsrat Volkmar Schön (CDU) ist die Eröffnung des neuen Zentrums der Jüdischen Gemeinde ein historischer Neubeginn: "Es ist ein Neubeginn, der Mut fordert, aber auch Mut macht. Möge über diesem Haus immer Gottes Segen liegen."

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