Die alten Römer hätten ihre Freude an diesem Projekt: Eins ihrer Kriegsschiffe aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert wird jetzt in einer Harburger Werft nachgebaut - von Wissenschaftlern und Studenten der Uni Hamburg, von erfahrenen Bootsbauern und Auszubildenden des Vereins Jugend in Arbeit.
Navis Lusoria
Für die Treue zum Original bürgt der Hamburger Uni-Professor Christoph Schäfer. Als Vorlage des hölzernen Kriegsschiffs dient ein gut erhaltener Fund aus der Nähe des Römerkastells von Oberstimm an der Donau. Bei der Kiellegung gestern vermittelte ein 1,60 Meter langes Modell aus dem Museum für Antike Schifffahrt in Mainz, wie das Römerschiff aussehen wird, wenn es im Mai 2008 erstmals ins Harburger Hafenwasser gleitet. Die Maße des Originals: drei Meter breit, 16 Meter lang mit Platz für bis zu 20 Ruderer.
Was wollen die Forscher mit dem Nachbau herausfinden? Prof. Schäfer nennt die Kernfragen des Forschungsprojekts: "Wie schnell ist das Schiff? Wie gut ist es zu manövrieren? Wie effektiv wirkt ein Segel? Wie schnell konnten ungeübte Legionäre damit umgehen?" Tests sollen die Antworten liefern. "Das ist ein spannendes archäologisches Experiment", sagt die Uni-Präsidentin und Expertin für Raketenantrieb, Monika Auweter-Kurtz.
Anschließend geht das Schiff auf große Fahrt. In zehn Städten soll es Station machen und an Donau, Rhein, Lippe, Ems und Weser für ein ungewöhnliches Ausstellungsprojekt werben, genau 2000 Jahre nach der für die Römer so schmählichen Hermannsschlacht.
Im Jahre neun nach Christus, nutzte ihnen die technische Überlegenheit nichts. Die Germanen schlugen, vermutlich bei Kalkrise, den Römer-Feldherrn Varus und vernichteten drei Legionen. Mit dem Schiffsnachbau made in Hamburg erinnern die Projektpartner - Museen in Haltern, Kalkriese und Detmold - an dieses Ereignis, den "Urknall der deutschen Geschichte", so Rudolf Aßmann vom Römermuseum Haltern. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Träger des Museums sowie Sponsoren der Region in Nordrhein-Westfalen finanzieren den größten Teil des Schiffbaus. Die Uni Hamburg ist mit 18 000 Euro dabei. Damit werden etwa Lehrlinge bezahlt, die dadurch bei dem Harburger Beschäftigungsträger vor Arbeitslosigkeit bewahrt werden.
Die ungewöhnliche Rekonstruktion erfolgt mit "antiken Techniken, aber modernen Hilfsmitteln", sagt Schäfer. So werden zwar Bohrmaschinen eingesetzt, aber die Nägel per Hand geschmiedet. "Und die Bootsbauer werden nicht so geknechtet wie damals", verspricht Schäfer.












