Justizvollzugsbeamte fanden die Leiche des Brasilianers am Sonnabend um 6.45 Uhr. Er hatte ein Bettlaken zerrissen, sich daraus einen Strick geknotet.
Er hatte keinen Ausweg mehr gesehen. Die Frau, die er liebte - tot, erwürgt durch seine eigenen Hände. Er selbst - ein Mörder, eingesperrt auf unbestimmte Zeit in eine acht Quadratmeter große Zelle. Seine Familie im fernen Brasilien. Ihnen würde er nie wieder in die Augen sehen können. Wiliam F. (24), der Mörder der hübschen PR-Frau Anna H. (29), hat sich in der Nacht zum Sonnabend in der Untersuchungshaftanstalt am Holstenglacis (Neustadt) das Leben genommen. Der Brasilianer hatte ein Bettlaken zerrissen, es zu einem Strick geknotet und sich am Fenstergitter erhängt.
Als die Justizvollzugsbeamten am Sonnabendmorgen um 6.45 Uhr die Zelle des Brasilianers aufschlossen, war er schon so lange tot, dass die Leichenstarre eingetreten war. Im Mund hatte der 24-Jährige einen Knebel aus einem Stück Laken - Wiliam hatte offenbar ganz sichergehen wollen, dass er nicht überlebte. Der Mörder hinterließ einen Abschiedsbrief auf Portugiesisch. Doch der war nicht an die Eltern seiner toten Freundin gerichtet, die ihn in Hamburg wie selbstverständlich in ihre Familie aufgenommen hatten. Der Brief war für seinen Anwalt bestimmt.
Als Annas Vater, der angesehene Hamburger Jurist Niels H. (62), vom Selbstmord des Mörders seiner Tochter erfuhr, habe er eine Art "innere Ruhe" gespürt, sagte er dem Abendblatt. "So bleibt uns wenigstens ein unerträglicher Prozess erspart."
Wiliam F. hatte seine hübsche Freundin vor genau einer Woche aus Eifersucht ermordet (wir berichteten). Es hatte an dem Wochenende wieder einmal Streit gegeben zwischen ihm und Anna. Nachts war Wiliam dann durchgedreht, hatte der 29-Jährigen die Hände um den Hals gelegt und so lange zugedrückt, bis Anna nicht mehr atmete.
Der Brasilianer war nach der Tat aus der Wohnung geflüchtet. Er hielt sich illegal in Deutschland auf. Anna hatte den gelernten Klimatechniker bei einem Urlaub auf Fuerteventura kennengelernt. Die beiden verliebten sich heftig, im April war Wiliam seiner großen Liebe nach Hamburg gefolgt. Während Anna erfolgreich bei der renommierten Werbeagentur Edelmann arbeitete, dort unter anderem für die Kosmetikmarke "Dove" zuständig war, hielt sich ihr Freund mit Gelegenheitsjobs über Wasser.
Die Eifersucht des Brasilianers war im Familien- und Freundeskreis des jungen Paares bekannt. "Es gab immer mal wieder Vorfälle", berichteten Bekannte nach der Tat. Aber die Freunde hätten darüber eher gelacht: "Die Anlässe waren immer so nichtig." Anna war noch wenige Stunden vor ihrem Tod bei ihren Eltern in Volksdorf zum Essen gewesen. Ihr Freund war an diesem Sonntag nicht dabei. "Anna hatte uns erzählt, dass sie Streit hatten", so der Vater.
Die Eltern boten ihrer einzigen Tochter an, doch die Nacht bei ihnen in ihrem geräumigen Einfamilienhaus in Volksdorf zu verbringen. Doch Anna wollte nach Hause in ihre Barmbeker Wohnung, die sie mit dem Brasilianer teilte. Dort eskalierte der Streit - und Anna musste sterben. Ihre Mutter fand sie am Montagnachmittag. Am Montagabend nahm die Polizei den Mörder fest. Wiliam F. gestand die Tat - doch zu Einzelheiten schwieg er.
Am Dienstag kam der Brasilianer in die Untersuchungshaftanstalt. "Es gab keine Hinweise auf eine Suizid-Gefährdung", so Justizsprecher Carsten Grote. Wiliam F. sei in eine Zelle im Zuführungstrakt gebracht worden. Eine Einzelzelle, wie fast alle in der Haftanstalt. Besondere Beobachtung wurde nicht angeordnet. Und Wiliam F. traf die Entscheidung, sich selbst zu richten.
Die Trauerfeier für Anna ist für den 1. November geplant.












