Auch der Laptop der erfolgreichen PR-Agentin ist verschwunden. Hat der Brasilianer ihn verkauft, um schnell zu Geld zu kommen?
Der junge Brasilianer, der die hübsche PR-Agentin Anna H. (29) aus Eifersucht erwürgte, wollte nach dem Mord offenbar fliehen. Wiliam F. (24) hatte die goldene Kreditkarte seiner toten Freundin in der Tasche, als die Polizei ihn am Montagabend in Hamm festnahm. Das erfuhr das Abendblatt aus Ermittlerkreisen. Und: Der Laptop von Anna H. ist seit der Tat verschwunden - hatte der Brasilianer den Computer verkauft, um schnell an Bargeld zu kommen?
Wiliam H., der illegal in Deutschland lebte, hatte seine Freundin nach einem heftigen Streit in der Nacht zum Montag mit bloßen Händen erwürgt (wir berichteten). Annas Mutter hatte die Leiche ihrer Tochter um 13 Uhr gefunden. Jetzt kam heraus: Wiliam F. war wenige Stunden nach der Tat noch einmal in der Wohnung. Zeugen hatten ihn im Treppenhaus der Barmbeker Wohnung gesehen, als Anna schon tot war. Der Brasilianer hatte es eilig. Er war noch einmal an den Ort zurückgekehrt, an dem seine tote Freundin lag - offenbar, um sich ihre Kreditkarte und den Laptop zu holen. Zu Einzelheiten der Mordnacht und zum Tag danach schweigt der Brasilianer. Bei den Vernehmungen in der Untersuchungshaft verstrickte sich Wiliam F. in Widersprüche. Doch eines hat er sofort getan, als die Ermittler der Mordkommission ihn befragten: Er gestand, seine Freundin erwürgt zu haben. Zum Motiv machte er schwammige Aussagen. Doch die Ermittler sind sich sicher: Es war Eifersucht.
Am Tag vor dem Mord hatte der 24-Jährige der PR-Angestellten eine heftige Szene gemacht. Es gab Streit, weil Anna einem Touristen auf der Reeperbahn den Weg erklärt hatte. Der Brasilianer rastete aus - nicht das erste Mal. "Seine Eifersucht war bekannt, es gab immer mal wieder Vorfälle", so Freunde des jungen Paars. Der Mann warf seiner Freundin dann vor, mit Fremden zu flirten, obwohl sie einfach nur freundlich war. Aber dass der Brasilianer zu so einer furchtbaren Tat fähig war - das hatte keiner geahnt.
"Überzogene und unangemessene Eifersucht", erklären Psychoanalytiker wie Wolf Jordan pathologische Eifersucht: "Sie klingt nicht wie normale Eifersucht ab, sondern ist permanent oder flammt immer wieder in alter Heftigkeit auf." Die Ursachen lägen oft in der frühen Kindheit: früher Zweifel am Selbstwert, wenn die Bestätigung durch die Eltern fehle oder das Kind oft lächerlich gemacht werde. Wenig Liebe und Geborgenheit von den Eltern können Ursache sein, dazu kommt meist eine niedrige Frustrationstoleranz der Eifersüchtigen. Dahinter steht immer ausgeprägte Verlustangst. Im Extremfall kann diese so stark werden, dass der Partner lieber den Tod des anderen in Kauf nimmt, anstatt ihn auf anderem Wege zu "verlieren".
Annas Familie in Volksdorf bereitet unterdessen die Beerdigung der einzigen Tochter vor. Hunderte Gäste aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis sollen zur Trauerfeier am Volksdorfer Friedhof kommen. Ein Termin stehe noch nicht fest, so Annas Vater. Niels H. (62): "Der Schock über Annas Tod sitzt tief."












