Razzia: Wohnungen von Ex-Chefs eines Lauenburger Geldinstituts durchsucht. Es geht um Untreue. Volksbank Lauenburg war durch unsichere Kredite in Schieflage geraten.

Die Lübecker Staatsanwaltschaft hat gestern die Büro- und Privaträume von fünf ehemaligen Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern der Lauenburger Volksbank durchsuchen lassen. "Wir haben Beweismittel gesichert in einem Verfahren wegen des Verdachts der Untreue", so Oberstaatsanwalt Werner Spohr zum Abendblatt. Zwischen 2000 und 2005 soll die kleine Bank auf dem Land für Investitionen weit über das Lauenburger Geschäftsfeld hinaus Millionenkredite ohne Sicherheiten vermittelt haben. Laut Staatsanwaltschaft geht es bei dem Verfahren um mindestens 20 Millionen Euro.

Wirtschaftsermittler durchsuchten bei den Ex-Vorständen Carsten H. und Jens-Dietrich Sch. und beim Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Diethard M. sowie bei den ehemaligen Aufsichtsräten Stephan K. und Thorsten C. Wohnungen und Büros an mehreren Orten im Südosten Schleswig-Holsteins. Die beiden derzeitigen Vorstände der kleinen Bank waren gestern nach der Razzia nicht zu erreichen. Zu den genauen Hintergründen des Verfahrens will sich die Staatsanwaltschaft noch nicht äußern. Oberstaatsanwalt Spohr: "Wir stehen erst ganz am Anfang der Ermittlungen."

Wegen der unsicheren Kredite war das Geldinstitut in finanzielle Schieflage geraten. Die Bankenaufsicht schlug Alarm, der Verbund der deutschen Genossenschaftsbanken hatte Millionen einschießen müssen.

Unabhängig von dem derzeitigen Ermittlungsverfahren gegen Ex-Volksbank-Chef Carsten H. werden derzeit alle Kreditvergaben der Volksbank von internen Revisoren überprüft. Das Geldinstitut, das weniger als 20 Mitarbeiter hat (inklusive Teilzeitkräften), hatte Millionenkredite weit über das Geschäftsfeld in der Region Lauenburg vergeben. Die Revisoren werden dabei auch auf Millionendarlehen stoßen, die nach Hamburg geflossen sind. Das geht aus Grundbuchakten hervor, die dem Abendblatt vorliegen.

Betroffen sind Liegenschaften des Hamburger Investors Burim Osmani rund um die Reeperbahn. Mindestens eines dieser Darlehen ist noch nicht zurückgezahlt. Der im Kosovo geborene Geschäftsmann sitzt derzeit in U-Haft. Ihm wird schwerer Betrug vorgeworfen: Er soll gemeinsam mit einem Schweinfurter Bauunternehmer mit einem Scheinkaufvertrag eine Bank getäuscht haben, die einen Millionenkredit gab. Bereits 2004 war Burim Osmani in Lübeck wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Mitangeklagt damals: Ein ehemaliges Vorstandsmitglied und ein früheres Aufsichtsratsmitglied der kleinen Bank im Südosten Schleswig-Holsteins. Der Ex-Bankvorstand wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, der Ex-Aufseher zu einer Geldstrafe von 75 000 Euro. Bei den Verfahren ging es um Luftgeschäfte zwischen Firmen der Angeklagten.kj, reba