Fußball-WM: Hooligans im Internet. Securitas-Mitarbeiter aus Norderstedt bot Hemden auf Homepage an. Das Unternehmen distanziert sich von Nils H.
"Die Welt zu Gast bei Freunden" - das ist das vielzitierte Motto der WM 2006, die am 9. Juni beginnt und unter anderem in Hamburg ausgespielt wird. Doch: Erwartet werden auch Störer und Hooligans. Für sie hat ein 31jähriger aus Norderstedt, Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Securitas, ein ganz spezielles Angebot: Auf seiner Internet-Homepage "gewaltbereit.com" vertrieb Nils H., der von Securitas bis jetzt hauptsächlich im S-Bahn-Sicherheitsdienst eingesetzt war, T-Shirts mit der Aufschrift "Gewaltbereit - WM 2006 Mayhem" (dt.: WM 2006 Chaos). Die Firma Securitas wird auch bei der WM im Sicherheitsdienst eingesetzt.
Größte Sorgfalt ist gefragt
Auf der privaten Internet-Seite des 31jährigen waren die Hemden für 30 Euro im Angebot, versehen mit dem Hinweis: "Holt Euch das Shirt, bevor es zensiert wird." Nachdem das Abendblatt dem Norderstedter eine E-Mail schickte und um Stellungnahme bat, nahm der Sicherheitsmann die angebotenen T-Shirts sofort aus dem Netz, stellte statt dessen einen Text ein, auf dem er betont, daß der Name "Gewaltbereit.com" für ihn lediglich provokativ klinge und neugierig machen solle.
Bei der Sicherheitsfirma "Securitas", dem Arbeitgeber des 31jährigen wußte man bis gestern noch nichts von den Freizeit-Machenschaften des Nils H. Bereichsleiter Wolfgang Peper kündigte an, sofort mit dem Mitarbeiter sprechen zu wollen und Konsequenzen zu ziehen. Peper: "Nils H. war für den Einsatz bei der WM ohnehin nicht vorgesehen. Alle unsere Mitarbeiter müssen einen strengen Akkreditierungsmodus durchlaufen und sie sollen zum WM-Motto passen. Herr H. war für den Einsatz bei der WM nie vorgesehen."
Auch der Dienst in den Hamburger S-Bahnen wird er laut Peper "sicher nicht mehr lange" verrichten. "Wir haben sehr genaue Vorstellungen über das Verhalten der Mitarbeiter, die wir in der Öffentlichkeit beschäftigen", so Peper. "Die Verbreitung solcher Inhalte im Internet gehört sicher nicht dazu." Man werde "ruck-zuck die Bremse ziehen", so Peper weiter.
Auch bei der Staatsanwaltschaft Hamburg stieß die Homepage auf Interesse. Ob allein der Vertrieb von Hemden mit der Aufschrift "Gewaltbereit" einen Straftatbestand darstelle, sei aber zumindest fraglich, so Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger.
Heino Vahldieck, Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes, kündigte gegenüber dem Abendblatt an, daß Mitarbeiter seiner Behörde die Seite unter die Lupe nehmen würden. Vahldieck: "Wir müssen prüfen, ob es sich um politisch motivierte Inhalte handelt. Dann müßten wir einschreiten. In der Hooligan-Szene gibt es zwar rechte und rechtsradikale Tendenzen, doch meist agieren diese Gruppen ohne jeden ideologischen Unterbau."
Auf der "Gewaltbereit"-Homepage präsentiert sich Nils H. als Tätowierer und Musikproduzent. Auf die Bitte um Stellungnahme reagierte er Freitag abend mit einem Fax. Darin schreibt Nils H.: "Zum vielleicht unglücklich gewählten Homepagenamen kann ich sagen, daß ich mit diesem Namen keinesfalls zur Gewalt in jeglicher Form aufrufen möchte. Weiterhin möchte ich klarstellen, daß ich keine Kontakte ins rechtsradikale Milieu pflege, weder in der Hooligan-Szene aktiv bin und auch sonst nicht politisch motiviert vorgehe." Die T-Shirts seien lediglich als "Protest und Ablehnung gegen die WM-Organisatoren" gedacht gewesen. Bislang habe er kein einziges Shirt gedruckt. Er habe auch nicht ernsthaft vorgehabt, diese Shirts zu drucken.











