Betrug: Schock bei Hamburgs Italienern. Fünf-Euro-Wein in 35-Euro-Flaschen: Razzien bei Händlern und Restaurants. Wie viele Wirte wurden von Ganoven reingelegt?
"Mächtige Eleganz, ein Hauch von Trockenpflaume" - so wird das Bouquet des Spitzenweins Barbera d'Asti "Bricco dell'Uccellone 2001" in Weinführern beschrieben. Im berühmten Veronelli-Guide erhielt er drei Sterne, die höchste Auszeichnung. Doch in vielen Hamburger Restaurants stehen offenbar Flaschen des edlen roten Tropfens, der bis zu 105 Euro kostet, die schlichte Fälschungen sind. Bei einer Razzia entdeckte die Polizei jetzt bei fünf Weinhändlern und in drei renommierten italienischen Szene-Restaurants "gefälschte Weinflaschen" - offenbar gefüllt mit billigem Landwein aus Süditalien und mit einem nachgemachten Etikett versehen.
Aus Ermittlerkreisen hieß es am Freitag, daß vermutlich eine hohe Anzahl der rund 600 italienischen Restaurants Fälschungen des Bricco dell'Uccellone - im Regal stehen hat. "Die meisten Wirte wissen das vermutlich gar nicht", sagte ein Polizeisprecher. Aber, wie das Abendblatt erfuhr, geht die Polizei dennoch davon aus, daß es sich bei den Weinfälschern um ein kriminelles Netzwerk handelt, das regelrecht mafiöse Strukturen hat.
Auf die Spur gekommen waren die Ermittler den Weinfälschern nach einem Hinweis des deutchen Generalvertreters für den Nobelwein. Er hatte gemeldet, daß der Barbera d'Asti in vielen Restaurants in der Hansestadt plötzlich auf den Weinkarten aufgetaucht war - und das, obwohl die Weingut-Bestände des Bricco dell'Uccellone 2001 in 0,75-Literflaschen schon seit einiger Zeit erschöpft waren. Ein Barbera d'Asti wird zu 100 Prozent aus der Rebsorte Barbera gekeltert. Sein Wein reift mindestens ein Jahr, bevor er vermarktet wird.
Die Polizei begann mit verdeckten Ermittlungen gegen die Wein-Mafia - und war schnell erfolgreich. Als Drahtzieher in Hamburg gilt der Weinhändler Ugo R. (57). Er stammt aus Neapel, soll mit einer Gruppe von Freunden, die ebenfalls aus Süditalien kommen, den billigen Wein heimlich importiert und in die mit dem gefälschten Etikett versehenen Flaschen des edlen Piemonter Rotweins gefüllt haben.
Diese Weinhändler wiederum sollen gute Beziehungen zu den italienischen Restauraurants haben. In einigen Fällen sollen die Wirte wirklich nichts gewußt haben, in anderen Fällen geht die Polizei davon aus, daß sie gemeinsame Sache mit den Weinfälschern machten.
"Es wäre erstaunlich, wenn ein Wirt sich nicht wundert, warum ein solcher Spitzenwein ihm plötzlich so billig angeboten wird." Offenbar mußten nach Abendblatt-Informationen einige Wirte den Wein sofort in bar bezahlen, und ihnen wurde auch gesagt, daß es sich um Flaschen handele, "die vom Lastwagen gefallen" seien - also gestohlen oder verlorengegangen waren. Keiner der Wirte der durchsuchten Lokale gab dies bei den Vernehmungen zu. "Bei derart kriminellen Strukturen ist die Angst vor Repressalien zu groß", sagt ein Fahnder. Den sichergestellten Wein ließ die Polizei im Institut für Hygiene und Umwelt untersuchen. Ergebnis: Der tatsächliche Inhalt der Flaschen war ein Landwein, der höchstens einen Verkaufswert von 5 Euro haben dürfte. Eine Flasche echter Bricco dell'Uccelone kostet beim Großhändler mindestens 35 Euro.











