Mehr als die Hälfte aller Ehepaare in Hamburg, rund 55,6 Prozent, hat keine Kinder. Das sind vier Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Künftig wird es immer mehr alte und immer weniger junge Menschen geben. Im Jahr 2050 kommen, glaubt man den Statistikern, auf einen Erstkläßler drei Rentner.

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Warum entscheiden sich immer mehr Männer und Frauen gegen Kinder? Ist es das Streben nach einem geradlinigen, karriereorientierten Lebenslauf? Der Wunsch nach Selbstverwirklichung? Oder der fehlende Wunsch nach einem eigenen Kind, die Wahl eines Single-Lebens? Rocco Thiede, Projektleiter "Balance von Familie und Arbeitswelt" der Bertelsmann-Stiftung sieht einen Grund für die Kinderlosigkeit in der häufigen Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. "Hier brauchen wir eine neue Balance, denn Kinder sind unsere Zukunft." Generationsübergreifend müsse jeder daran mitwirken, die Rahmenbedingungen für eine kinderfreundliche Gesellschaft zu schaffen. "Die persönliche Freiheit und Verantwortung für die Gemeinschaft dürfen nicht im Gegensatz zueinander stehen." Auch der Berliner Bevölkerungswissenschaftler Prof. Dr. Herwig Birg verweist auf die Verpflichtung des einzelnen. Es sei "eine Illusion", daß unser Sozialversicherungssystem stabil sei. "Zu viele Menschen leben mit dem Trugschluß, für das Alter auch ohne eigene Kinder ausreichend versichert zu sein", so Birg. Denn was heute in die Rentenversicherung eingezahlt wird, wird heute gleich an die Rentner ausgezahlt. Den jetzt 40- bis 45jährigen fehlten später die Beitragszahler - sie bekamen zu wenig Kinder. Birg: "Die Menschen müssen erkennen: Jeder ist abhängig von den Leistungen anderer. Als Kinder und als Rentner bekommen wir etwas von anderen, in der Zeit dazwischen müssen wir selbst etwas geben - auch in Form von Kindern und deren Erziehung."