02.03.06

Luiza (12) - Deutschlands jüngste Mutter

Schwangerschaft: Eltern haben angeblich nichts gemerkt - wie ist das möglich? Im Marienkrankenhaus brachte das Mädchen in der Nacht zu gestern einen gesunden Jungen zur Welt. Der Vater soll 17 Jahre alt sein.

Von Bettina Mittelacher
Foto: Arning
Die Eltern des Mädchens stellten sich gestern im katholischen Marienkrankenhaus den Fragen der Journalisten. Agnes J. (33), in der Mitte der Chefarzt der Frauenklinik, Prof. Dr. Peter Scheidel (56), und der Vater Alexander J. (34).

Es ist mitten in der Nacht, als Luiza (12, Name geändert) plötzlich ganz furchtbare Bauchschmerzen bekommt. Besorgt rufen ihre Eltern den Notzarzt. Um genau 2.17 Uhr geht der Anruf bei den Rettern der Feuerwehr ein. Der Notarzt vermutet einen Blinddarmdurchbruch - und läßt das junge Mädchen aus der Wohnung der Eltern am Bargackerdamm (Bramfeld) ins Kinderkrankenhaus Wilhelmsstift einliefern.

Dort wird die Zwölfjährige mit Ultraschall untersucht. Der Schock: Die Schmerzen sind Wehen, das Mädchen ist im neunten Monat schwanger! Das Kinderkrankenhaus hat keinen Kreißsaal, so rast ein Rettungswagen mit Luiza um 2.47 Uhr ins Marienkrankenhaus. Nur eine gute Stunde später bringt die Zwölfjährige einen 2830 Gramm schweren Jungen zur Welt. "Mutter und Kind sind wohlauf", sagen die Ärzte.

Der Fall Luiza - nur selten gibt es in Deutschland so junge Mütter. In Hamburg bekam seit dem Zweiten Weltkrieg nur ein einziges Mal ein Mädchen unter 13 Jahren ein Baby. Luiza ist offenbar derzeit Deutschlands jüngste Mutter. Obwohl die Schwangerschaft bei dem Kind kaum zu erkennen war, ahnten Lehrer und Mitschüler etwas. Der Schulleiter des Gymnasiums Bramfeld, an dem Luiza als gute Schülerin gilt, informierte die Schulbehörde, wie er dem Abendblatt erklärte.

Das Unglaubliche: Vor drei Wochen hatte Luiza mit ihren Eltern einen Termin beim Jugendamt. Der war zustande gekommen, weil Luizas Mutter bei der Polizei vorstellig geworden war. Angeblich sei es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Kind gekommen und davon sei das Jugendamt informiert worden. Aus der Behörde heißt es: "Der Sozialarbeiterin ist nicht aufgefallen, daß das Mädchen schwanger war. Man sah wohl kaum etwas. Auch die Eltern haben ihren Verdacht mit keinem Wort erwähnt." Doch warum informierte die Schulbehörde nicht das Jugendamt? Auch die Eltern wurden von den Lehrern informiert. Doch warum reagierten sie nicht?

Daß Lehrer bereits vor längerer Zeit auf die Schwangerschaft von Luiza hingewiesen haben, bestätigten die Eltern des Mädchens. Der Kaufmann Alexander J. (34) und die Kellnerin Agnes J. (33) stellten sich gestern im katholischen Marienkrankenhaus den Fragen der Journalisten. Zweimal, berichtete die Mutter, habe sie heimlich getestet, ob Luiza schwanger sei. Und jedes Mal sei das Ergebnis negativ gewesen. Auf die Frage, wie sie die Schwangerschaft getestet habe, antwortete die Mutter nur ausweichend: "Fragen Sie mich dazu bitte nicht." Auch Luizas Vater sei schon zu einem früheren Zeitpunkt alarmiert gewesen und habe seine Tochter gefragt, warum sie immer dicker werde. Darauf habe sie geantwortet: "Im Moment esse ich eben mehr." Luizas Eltern leben seit einiger Zeit getrennt. Mit ihrem neuen Lebensgefährten hat Agnes J. einen 16 Monate alten Sohn.

Luizas Eltern wollen zu ihrer Tochter halten. "Die Liebe zu ihr ist größer als unser Ärger", sagte die Mutter. Der Vater sei sprachlos gewesen, als er von der Entbindung gehört habe. "Ich habe wirklich nicht gewußt, daß sie schwanger ist." Gleiches sagte die Mutter. "Sie hat uns hinters Licht geführt." Beide sagen, daß ein 17jähriger Junge aus der Nachbarschaft der Vater ist. Der Junge heißt Kevin und habe häufig mit Luiza Hausaufgaben gemacht. "Die beiden haben sich immer noch wie Kinder verhalten, wir dachten nicht, daß es da etwas anderes gibt", sagte der Vater. Kevin habe Luiza schon zusammen mit seinen Eltern im Krankenhaus besucht. Seine Eltern seien ebenfalls erst einmal "sprachlos" gewesen.

Der Chefarzt der Frauenklinik des Marienkrankenhauses, Prof. Dr. Peter Scheidel, sagte gestern, daß Luiza die bisher jüngste seiner Patientinnen ist. "Medizinisch" sei die Geburt kein Problem gewesen, sagte der Arzt, aber Luiza sei natürlich sehr geschafft und emotional aufgewühlt. Das Mädchen könne aber in ein paar Tagen das Krankenhaus verlassen. Die Eltern blicken positiv in die Zukunft. "Wir werden uns um sie kümmern und dafür sorgen, daß sie ihr Abitur machen kann", sagte die Mutter.

Auf dem Schulhof des Gymnasiums Bramfeld gab es gestern Mittag nur ein Thema: die Mitschülerin, die in der Nacht ein Kind zur Welt gebracht hatte. Eine Gruppe Schülerinnen meint: "Das wußte doch die ganze Schule, daß Luiza schwanger war." Schulleiter Albrecht Gsell äußerte sich verhalten: "Wir haben bei Luiza eine Schwangerschaft vermutet, waren aber nicht sicher." In der Nachbarschaft galt Luiza als frühreif. "Sie war oft aufreizend gekleidet", sagt eine Nachbarin. Oft soll das Mädchen Partys gefeiert haben, wenn die Mutter und ihr Freund nicht zu Hause waren. "Sie ging schon lange ihre Wege."

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