In der CDU Wandsbek schlagen die Wogen der Empörung hoch. Grund ist die Neuwahl des Kreisvorstands, bei der etliche Parteifunktionäre nicht mehr für Ämter berücksichtigt wurden. Darunter sind die stellvertretende Bürgerschaftspräsidentin Bettina Bliebenich, Staatsrat Detlef Gottschalck, der Bürgerschaftsabgeordnete Bruno Claußen sowie dessen Fraktionskolleginnen Karin Eggers und Natalie Hochheim.

Besonders hart getroffen fühlen sich die Vertreter des im CDU-Kreis drittgrößten Ortsverbandes Wandsbek, weil sie nicht mehr im geschäftsführenden Vorstand präsent sind, sondern sich mit zwei Beisitzerposten begnügen müssen. Und selbst diese schienen zunächst nicht sicher zu sein. Denn der Wandsbeker Ortschef Ralf Niedmers schaffte erst im zweiten Wahlgang die erforderliche Mehrheit, sein Kollege Claußen fiel sogar beide Male durch. Statt dessen wurde als zweiter Wandsbeker schließlich Detlev Beckmann in den Vorstand gewählt, der parteiintern jedoch als Gegner von Niedmers gilt. Tatsächlich konnten die Delegierten der größeren Ortsverbände Alstertal und Rahlstedt es nahezu unter sich alleine ausmachen, wer an diesem Abend etwas wurde und wer nicht. Die Wandsbeker unterstellen eine bewußt herbeigeführte Machtdemonstration des Trios Jürgen Klimke, Karl-Heinz Warnholz (CDU-Chef Rahlstedt) und Frank Schira (CDU-Chef Alstertal). Der Ortsverband Wandsbek sollte gezielt abgestraft und kleingehalten werden, heißt es.

Niedmers hatte die Versammlung zum Zeitpunkt seiner Wahl als Beisitzer bereits unter Protest gegen einen solchen Umgang mit seinem Ortsverband verlassen. Der mit ihm verheirateten bisherigen stellvertretenden Kreischefin Natalie Hochheim, die ebenfalls aus dem Ortsverband Wandsbek kommt, war bereits vorher signalisiert worden, daß ihre weitere Mitarbeit im Kreisvorstand unerwünscht sei. Sie hatte deshalb auf eine Kandidatur verzichtet.

Der Bundestagsabgeordnete Jürgen Klimke, der bei der Wahl als Kreisvorsitzender bestätigt wurde, führt die Machtverschiebung zu Lasten des Ortsverbandes Wandsbek im Gespräch mit dem Abendblatt nicht nur auf die gestiegene Bedeutung der Verbände Rahlstedt und Alstertal, sondern auch auf die Auseinandersetzungen zurück, die in der Vergangenheit immer wieder von Mitgliedern des Ortsverbandes Wandsbek ausgegangen seien. Er unterstellte ihnen aber zugleich eine "Übersensibilität" in der Beurteilung des Ergebnisses. Zentrales Signal der Wahl sei doch die Botschaft gewesen: "Wir nehmen euch mit."

Letztlich sei es aber das Recht jeder Mitgliederversammlung, selbst zu entscheiden, wen sie im Vorstand haben wollen. Doch jedem neuen Anfang wohne bekanntlich auch ein Zauber inne. Diesen Zauber indes können die Mitglieder des Ortsverbandes Wandsbek noch nicht erkennen.

Daß auch die Rahlstedter Bürgerschaftsabgeordneten Bliebenich und Eggers auf der Strecke blieben, wird parteiintern darauf zurückgeführt, daß sie sich zuvor offen gegen den mächtigen Warnholz als neuen Rahlstedter Orts-chef ausgesprochen hatten.flk