Barmbek: Großaufgebot verhinderte Eskalation zwischen rechten und linken Demonstranten.

Das Konzept der Polizei ist aufgegangen: Mehr als 4000 Beamte aus zwölf Bundesländern und vom Bundesgrenzschutz (BGS) haben am Sonnabend in Barmbek und Winterhude Ausschreitungen zwischen Neonazis und linken Gegendemonstranten verhindert. Es kam nicht zur Eskalation von Gewalt, als rund 400 Rechtsradikale gegen die Ausstellung "Vebrechen der Wehrmacht" auf Kampnagel aufmarschierten und auf massiven Protest der Anwohner in der Jarrestadt stießen.

Das "Antifaschistische Bündnis" hatte noch vor dem Aufmarsch der Neonazis eine Gegendemonstration mit rund 1800 Teilnehmern gestartet. Die Demonstranten zogen zwischen 10 Uhr und 12.40 Uhr vom Bahnhof Barmbek zur Weidestraße/Ecke Herderstraße.

Um 13 Uhr sollte eigentlich der Marsch der Rechtsextremisten am U-Bahnhof Saarlandstraße starten - im sicheren Abstand zur Route der Gegendemonstranten. Doch durch einen Stau auf der A 1 erreichten viele Neonazis den Versammlungsort nicht pünktlich, so dass sich der Aufzug erst gegen 15 Uhr in Bewegung setzte. Die Route wurde in Absprache zwischen Veranstaltern und Polizei geändert, so dass der Aufzug statt wie geplant über den Wiesendamm und die Semperstraße zunächst durch die Jarrestraße führte.

Mieter hatten an viele Fenster und Balkone Schilder mit Aufschriften wie "Nazis raus" gehängt. Anwohner versammelten sich auf der Straße, protestierten mit "Haut ab"-Rufen und Trillerpfeifen. Polizeiketten trennten Rechtsextremisten und Gegner, vereinzelt flogen Flaschen. An der Ecke Glindweg wurde ein linker Gegendemonstrant (20) vorläufig festgenommen, der einen Stein auf die Neo-nazis geworfen hatte. Verletzt wurde nach Angaben der Polizei niemand. Um 18 Uhr reisten die Neonazis wieder ab. Die Wehrmacht-Ausstellung endete gestern.

Kleinere Gruppen von Gegendemonstranten hatten mehrmals versucht, die weiträumigen Absperrungen der Polizei zu durchbrechen - unter anderem auch auf Tretbooten, mit denen sie über die Kanäle den Aufzugort der Neonazis erreichen wollten.

Bereits in der Nacht hatten Polizeistreifen in Barmbek und Winterhude patrouilliert. Dabei beseitigten sie zwei "Steindepots", die offenbar als Wurfgeschosse genutzt werden sollten. Durch die hohe Polizeipräsenz kam es, sozusagen als "Nebenprodukt", zu mehreren Festnahmen wegen Fahren ohne Führerscheins, Verdachts des illegalen Aufenthalts und Einbruchs. (kj)