02.06.12

Kundgebung von Rechtsextremen in Hamburg

Neo-Nazi-Kundgebung beendet – Friedlicher Protest und Krawalle

Aufatmen in Hamburg: Die Kundgebung von etwa 700 Rechtsextremen ist nach teils massiven Auseinandersetzungen zu Ende gegangen. Über 10.000 Menschen hatten zuvor "Farbe bekannt" und friedlich gegen Rechtsextremismus demonstriert.

Von abendblatt.de
Foto: dapd/DAPD

Eine von Gegendemonstranten am Rande eines Aufmarsches von Rechtsextremen errichtete Barrikade brennt in Wandsbek

35 Bilder

Hamburg. Friedliche Kundgebung und Krawalle: Begleitet von Protesten Tausender Menschen haben mehrere hundert Rechtsextreme am Sonanbend in Hamburg demonstriert. Linken Demonstranten war es jedoch gelungen, die ursprüngliche Route zu blockieren, so dass die Rechtsextremen erst mit großer Verspätung loskamen und eine andere Strecke nehmen mussten. Auch kamen statt der erwarteten 1000 Demonstranten nur etwa 700 Rechte in den östlichen Stadtteil Wandsbek. Auf dem Rathausmarkt in der Innenstadt gab es ein buntes Volksfest gegen Rechts mit über 10.000 Teilnehmern.

Die Rechtsextremen hatten ihren Marsch unter dem Motto "Tag der Deutschen Zukunft" mit über dreistündiger Verspätung erst nach 15 Uhr begonnen. Die Neonazis trugen Plakate mit Sprüchen wie: "Stoppt den Multikultiwahn" oder "Deutsch kann nur der sein, der deutscher Abstammung ist" oder "Multikulti = Völkermord". Zu Beginn der Kundgebung hatte der bundesweit bekannte Neonazi Thomas Wulff eine Rede gehalten. Wulff ist in der rechten Szene unter dem Namen "Steiner" bekannt. Auf der Twitter-Seite der Rechtsextremen hieß es dazu: "Kamerad Steiner begrüßt die Demoteilnehmer".

Sie mussten in Absprache mit der Polizei die Route ändern. Die Teilnehmer zogen auf einer Strecke südlich des ursprünglich vereinbarten Weges durch Wandsbek. Aber auch dort wurden sie mehrmals durch Blockaden gestoppt. "Sieht gut aus! Nazis sind von drei Seiten blockiert. Ihr seid spitze", twitterten die Linken. In den meisten Fällen verliefen die Blockaden friedlich, sagte ein Polizeisprecher. Nach seinen Angaben standen den 700 Rechtsextremen mehrere tausend linke Demonstranten gegenüber.

+++ Neonazi-Demo: Rassisten mit Kapuzenpulli +++

Bei den Protesten der Linken kam es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen durch Mitglieder des autonomen Blocks. Die Polizei sprach von mindestens 19 verletzten Beamten. Es habe zwölf Festnahmen gegeben, 63 Demonstranten seien in Gewahrsam genommen worden.

Hunderte vermummte Demonstranten attackierten nach Angaben von Beobachtern Beamte mit Steinen und Böllern. Zwei Autos von Anwohnern gingen in Flammen auf. Auch ein Polizeiauto wurde angezündet. Auf der anderen Seite berichteten Zeugen von einem äußerst massiven Polizeieinsatz. Die Polizei sei teils mit sehr großer Härte vorgegangen, teils auch gegen friedliche Demonstranten. Die Polizei setzte auch immer wieder Wasserwerfer ein, um die Blockaden aufzulösen.

Zu Beginn der Gegenkundgebungen hatte die Polizei an einem der Kundgebungsorte, in der Wagnerstraße, zwischen 500 und 700 linke Demonstranten umringt, um sie in Gewahrsam zunehmen. Zuvor hatte der Organisator diese Kundgebung für aufgelöst erklärt. Die Polizei habe nach der Auflösung alle Demonstranten aufgefordert, den Versammlungsort zu verlassen. Daraufhin hätten Teilnehmer die Polizei mit Steinen und Böllern beworfen.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD, vorne, r.) und der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann (vorne, l.)
Foto: dapd/DAPD Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD, vorne, r.) und der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann (vorne, l.)

Auf dem mehrere Kilometer entfernten Rathausmarkt hatten ab 11 Uhr über 10.000 Menschen friedlich gegen die Kundgebung der Rechtsextremen demonstriert. Diese offizielle Demonstration stand unter dem Motto "Hamburg bekennt Farbe". Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) rief unter lautem Applaus: "Wir stehen zusammen. Wir sind stolz darauf eine weltoffene Stadt zu sein." Um Punkt zwölf Uhr rief Scholz dazu auf, bunte Karten in die Höhe zu halten, um Farbe zu bekennen. Tausende folgten der Aufforderung.

Wegen zahlreicher Musik-Acts glich die Stimmung teils einem Volksfest. Bewegend war der Auftritt der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano, die zusammen mit ihrem Sohn unter großem Applaus jüdische Volkslieder sang. Die 87-Jährige ist eine der letzten Überlebenden des einstigen Mädchenorchesters von Auschwitz.

Auch der Hamburger Schriftsteller Ralph Giordano rief zum Widerstand gegen Neo-Nazis auf. "Sagen wir dem gewöhnlichen, dem schwelenden Nazismus, der bekennenden Unbelehrbarkeit, den Lügnern von der "Auschwitz-Lüge", sagen wir ihnen überall dort den Kampf an, wo wir auf sie stoßen", sagte er in seiner Rede, die das Abendblatt am Sonnabend vorab veröffentlicht hatte.

Bereits in der Nacht hatte es erste Zwischenfälle gegeben. Vor einem Hotel im Hamburger Stadtteil Lemsahl-Mellingstedt brannten elf Polizeiwagen. Die Polizei vermutet, dass die Brände gelegt wurden. Die Wagen gehörten zu Beamten aus Nordrhein-Westfalen, die in dem Hotel untergebracht waren. (abendblatt.de/dpa)

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. FußballHooligan-DemoBizarre Allianz radikaler Fußballfans gegen Salafisten
  2. 2. DeutschlandVerfassungsschutzSalafistenszenen-Wachstum "besorgniserregend"
  3. 3. KommentareKabarettKlage gegen Dieter Nuhr schadet den Muslimen selbst
  4. 4. DeutschlandThüringens SPD-ChefLieber Bundesgartenschau als in Ramelows Kabinett
  5. 5. ImmobilienGründachstrategieDie Kehrseite des rot-grünen Zwangs zur Dachbegrünung
Top Video Alle Videos

mehr »

Top Bildergalerien mehr
Hamburg

Diese Boote gibt es auf der Hanseboot

Kreuzfahrtschiff

Quantum of the Seas im Hamburger Hafen

Polizei

Flüchtlinge besetzen Kreuzung in Bahrenfeld

Fotoaustellung

Weltberühmte Fotos in den Deichtorhallen

tb_reisemarkt.jpeg
Der Reisemarkt

Aktuelle Reise- und Urlaubsangebotemehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr