Bambule: Mehrere Hundert Platzverweise, 116 Festsetzungen, zwei verletzte Polizisten

Es war das reinste Chaos in der City: Randale, Tumulte, Schlagstockeinsätze und verschreckte Kunden, die fluchtartig die Geschäfte verließen. Überall Wasserwerfer der Polizei, Hundertschaften, die auf den Straßen und im Hanse-Viertel Randalierern hinterherjagten. Die rund 700 Sympathisanten der Bauwagenszene haben es geschafft, Kunden und Einzelhändlern den letzten verkaufsoffenen Sonnabend vor Weihnachten gründlich zu verderben. Das Protokoll.

Mehr zum Thema

15 Uhr. Mönckebergstraße: Schon der Anfang verläuft alles andere als friedlich: Mehrere Hundert Demonstranten versammeln sich am Ida-Ehre-Platz. Dabei hatte das Oberverwaltungsgericht den Demonstranten die Auflage erteilt, vom Besenbinderhof über die Steinstraße und die Ost-West-Straße Richtung Sternschanze zu marschieren. Daran halten sich nur der offizielle Veranstalter Yavuz Fesoglu (36, PDS) und rund 50 weitere Protestler. Sie sagen die Demo kurzerhand ab - zu wenig Teilnehmer. Kein Wunder: Die anderen Protestler sind alle verbotenerweise an der Mönckebergstraße.

15.15 Uhr. Die Polizei hat rund 500 Demonstranten an der Mönckebergstraße eingekesselt. Die Beamten wollen das Verbot durchsetzen. Doch die Einsatzleitung lässt sich auf Verhandlungen mit Pastor Christian Arndt ein, der als inoffizieller Vermittler fungiert. Die Demonstranten versprechen: Wir halten uns an die vorgeschriebene Route.

15.30 Uhr. Die Protestler brechen ihr Versprechen: Anstatt Richtung Steinstraße abzumarschieren, brechen 150 Bambulisten einfach durch eine Polizeikette Richtung Karstadt. Sie wollen das Kaufhaus stürmen. Das kann die Polizei noch verhindern - allerdings nur durch Einsatz von Schlagstöcken. Die ersten Demonstranten werden in Gewahrsam genommen.

16 Uhr. Die Bambule-Sympathisanten haben sich in Kleingruppen zersplittert. An der "Mö", am Jungfernstieg und in den Seitenstraßen stürmen sie Geschäfte, verjagen Kunden. Immer wieder rufen sie "Einzelhandel, aus der Traum - Bambule unterm Weihnachtsbaum."

16.15 Uhr. Zehn Randalierer werden am Rathausmarkt in Gewahrsam genommen, Dutzende Platzverweise werden erteilt. Die Befürchtung der Polizei: Die Demonstranten könnten den Weihnachtsmarkt stürmen. Unterdessen sendet Radio FSK (Freies Sender Komitee) weiterhin Aufrufe für Proteste in der City.

17 Uhr. Die Lage eskaliert im Hanse-Viertel. Die Chaoten haben die Einkaufspassage gestürmt, wollen Kunden am Einkaufen hindern. Eine Hundertschaft vom Bundesgrenzschutz (BGS) stürmt hinterher, es gibt Festnahmen. Vor dem Alsterhaus müssen Schlagstöcke eingesetzt werden. Die Geschäfte Beutin und Wempe haben die Eingänge durch Sperrgitter gesichert, für jeden Kunden müssen die Gitter einzeln hoch- und wieder runtergelassen werden.

17.15 Uhr. Eine Gruppe von Störern hat sich am Axel-Springer-Platz für eine Sitzblockade entschieden. Den Aufrufen der Polizei, den Platz zu räumen, kommen sie nicht nach. Wieder gibt es Platzverweise und Ingewahrsamnahmen.

17.20 bis 19.30 Uhr. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Demonstranten und Polizei geht weiter. Noch immer ziehen Bambulisten durch die Stadt. Niemand hält sich an die eigentliche Marschroute - der Protest findet ausschließlich in der City statt.

22 Uhr. Die Bilanz der Polizei: Mehrere Hundert Platzverweise, 109 Ingewahrsamnahmen, sieben Festnahmen. Zwei Polizisten wurden verletzt. Ein Beamter musste ins Krankenhaus: Ein Demonstrant hatte ihm in den Unterleib getreten.

Mitternacht. Die Demonstranten, die in Gewahrsam genommen wurden, dürfen die Zellen auf den Polizeiwachen verlassen.