12.12.03

Beim Ladendiebstahl erwischt: "Megapeinlich"

Beichte einer Betroffenen

Mit suchendem Blick streift die junge Frau an den Kleiderständern vorbei, schaut sich immer wieder um. Schließlich greift sie nach einem roten T-Shirt. Dann kommt noch ein zweites, identisches T-Shirt dazu. Die Frau geht zu einer Umkleidekabine und verschwindet darin. Einen Augenblick später kommt sie wieder heraus, mit nur noch einem T-Shirt in der Hand, das sie zurückhängt. Dann steuert sie auf den Ausgang zu, kommt jedoch nicht weit. Eine Hand legt sich schwer auf ihre Schulter. Sie gehört einem finster dreinblickenden Detektiv: "Komm mal bitte mit!" Stumm folgt ihm die Frau. Sie heißt Sarah W. und ist 21 Jahre alt.

Situationen wie diese ereignen sich in deutschen Einzelhandelsgeschäften täglich. 70 Prozent der gefassten Diebe sind zwischen 12 und 30 Jahre alt. Nicht selten entkommen die Täter, ohne erwischt zu werden. Für den Einzelhandel bedeutet das Jahr für Jahr hohe Umsatzverluste.

Gründe für die zahlreichen Ladendiebstähle sind unter anderem Geldmangel oder Langeweile. Manchmal handelt es sich auch um Mutproben, oder jemand sucht den besonderen Kick. Viele stehlen auch aus Trotz: weil sie die angebotenen Waren schlicht zu teuer finden.

Letzteres war für Sarah W. der Grund: "Ich fand, dass das T-Shirt zwar schön, aber einfach zu teuer war. In der Umkleidekabine habe ich es dann einfach untergezogen. Aber ich vergaß, dass jedes Kleidungsstück mit einem Metallstreifen gesichert ist."

Sarah war vollkommen überrascht, als plötzlich der Detektiv auftauchte. Er hatte sie wohl per Bildschirm beobachtet. Jeder Diebstahl wird auf Video aufgezeichnet und der Polizei als Beweismittel mit der Anzeige übergeben.

Was passiert, wenn man erwischt wird, beschreibt Sarah W.: "Der Detektiv führte mich quer durch den ganzen Laden zu seinem Büro. Das werde ich nie vergessen! Es war megapeinlich. Dort im Büro hab ich dann ziemlich zerknirscht und mit Tränen in den Augen zugegeben, dass ich unter meiner Kleidung dieses Top anhabe. Da ist er raus, ich habe es ausgezogen. Später füllte er ein Formular aus, und ich musste es unterschreiben. Das alles habe ich wie in Trance erlebt."

Letztendlich kam Sarah noch glimpflich davon, sie musste lediglich 200 Euro Bußgeld zahlen. Zu einem Gerichtsverfahren kam es in ihrem Fall nicht. Aber Sarah hat ihre Lektion auch so gelernt. Einen Ladendiebstahl werde sie jedenfalls nie wieder begehen, beteuert sie. Denn das Schlimmste sei für sie diese peinliche Prozedur gewesen, als der Detektiv sie vor aller Augen abführte in sein Büro: "Das war schrecklich." In eine solche Situation möchte Sarah nie wieder kommen.

Jessica Prautzsch, 10 b, Margaretha-Rothe-Gymnasium

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