Kommentar

Polizeibeamte schlagen Jugendliche, setzen Wasserwerfer auch gegen Schüler ein, führen sie gefesselt ab. Schockierende Szenen gestern am Ende einer friedlichen Demonstration durch die Innenstadt. Hamburg und der Irak-Krieg, Hamburg 18 Tage vor dem Olympia-Entscheid - mussten solche Bilder sein? Festzuhalten bleibt: Der weitaus größte Teil der Schüler hat gewaltfrei gegen den Krieg protestiert. Sie haben wie Erwachsene ihr Grundrecht wahrgenommen. Ein legitimer Protest, bei dem Lehrer, Schulbehörde und Schuldirektoren nicht gleich mit der Schulschwänzer-Keule drohen sollten. Die Schüler zeigten gestern in der City ihre Angst, ihre Wut und auch ihre Ohnmacht gegen diesen Krieg. Allerdings: Jeder Einzelne, der an solchen Protesten teilnimmt, trägt Verantwortung dafür, dass es friedlich bleibt. Er sollte sich zurückziehen, wenn sich, wie gestern, Krawallmacher seines Anliegens bemächtigen. Spätestens dann, wenn die Polizei ihn ein Dutzend Mal dazu auffordert. Doch auch auf Seiten der Einsatzführung ist mehr Fingerspitzengefühl gefragt. Gestern tobte keine Straßenschlacht wie zu Hafenstraßen-Zeiten. Die Polizeiführung darf, gerade wenn junge Schüler zwischen die Fronten geraten könnten, wirklich nur gegen die vorgehen, die Straftaten begehen - so schwer das auch zu unterscheiden scheint. Das hat gestern anscheinend nicht immer funktioniert. Im Zweifelsfall trägt jeder Zugführer vor Ort Verantwortung für seine Beamten. Polizisten müssen kühlen Kopf bewahren, auch wenn es Flaschen und Eier auf sie hagelt - und jeder versteht, wenn die Beamten das nicht hinnehmen wollen. Aber in Zeiten des Krieges, wenn die Emotionen hochkochen, hat Deeskalation oberste Priorität. Sonst sind die Folgen auch in Hamburg schon bald nicht mehr zu kontrollieren.