Die gestrigen Ausschreitungen nach der Schülerdemonstration haben einen heftigen Streit um den Einsatz der Polizei ausgelöst. Angemessen und notwendig oder übertrieben hart? "Statt zu beruhigen, haben die Polizisten zur Eskalation beigetragen", sagte David Schultz (24) von der Kampagne Jugend-gegen- Krieg, ein Organisator der Demonstration. Die Sprecherin der Polizei, Ulrike Sweden (47), kann diesen Vorwurf nicht nachvollziehen: "Die Polizisten wurden eine halbe Stunde lang mit Steinen beworfen. Irgendwann muss man einen Schlusspunkt setzen." Innensenator Ronald Schill (44) stellt sich hinter die Entscheidung der Beamten: "Die Polizisten hatten keine andere Wahl", sagte er und verwies auf die zahlreichen Warnungen vor dem Einsatz der Wasserwerfer. "Das Vorgehen der Polizei ist zu 100 Prozent richtig gewesen." Genau das will die Bürgerschaftsfraktion der SPD überprüfen. Michael Neumann (32), innenpolitischer Sprecher fordert eine Sondersitzung des Innenausschusses. Die nächste reguläre Sitzung würde erst am 22. April stattfinden. Neumann beruft sich unter anderem auf Augenzeugenberichte, nach denen die Polizei auch gegen unbeteiligte Schüler vorgegangen sei. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Leif Schrader (34), sieht einen Großteil der Verantwortung bei den Organisatoren der Demonstration: "Wer ernsthaft für den Frieden demonstrieren will, muss sicherstellen, dass jede Gewalt unterbleibt." Die Hamburger Studentenvertretungen verurteilen dagegen den Polizeieinsatz: Sie werfen den Beamten vor, willkürlich und brutal auf Kinder und Jugendliche eingeschlagen zu haben. "Die Innenbehörde verletzt mit ihrem unerträglichen Eskalationskurs alle rechtsstaatlichen Grundsätze des Versammlungsrechts", sagte Sprecher Bela Rogalla (32). Schon vor den Ausschreitungen hatte die Demonstration für Diskussionen gesorgt. "Statt des Schülerstreiks wären Gespräche in den Klassen über den Irak-Krieg sinnvoller gewesen", sagte Hendrik Lange (28), Sprecher der Bildungsbehörde. Der Umgang mit den fehlenden Schülern sei Sache der einzelnen Schulen. Die Vorsitzende des Landesverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Stephanie Odenwald (53), widersprach. Für sie steht das Engagement der Jugendlichen im Vordergrund: "Eine solche Demonstration ist mindestens so wichtig wie zehn Politik-Stunden." Nach den Ausschreitungen waren sich alle Beteiligten einig in der Betroffenheit über die Gewalt. Auch Organisator Schultz war fassungslos: "Eigentlich wollten wir nach der Demo über die großartige Zahl der Teilnehmer sprechen. Stattdessen müssen wir jetzt Fragen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen beantworten."