29.06.13

Traditionshotel

Die Wiederauferstehung des berühmten "Atlantic"

Frisch renoviert lockt das "Atlantic" nicht nur Dauergast Udo Lindenberg aus dem Asyl zurück, sondern zunehmend wieder große Gesellschaften. Das Haus trägt jetzt die Auszeichnung "Fünf Sterne Superior".

Von Gisela Reiners
Foto: pa/BREUEL-BILD

Der Schriftzug des berühmten Hotels „Atlantic“, das direkt an der Außenalster steht
Der Schriftzug des berühmten Hotels "Atlantic", das direkt an der Außenalster steht

Hamburg. Der Vorgang verwundert ihn noch heute. "Es war, als habe man einen Schalter umgelegt", sagt Direktor Peter Pusnik. Die Rede ist von der Wiederauferstehung des Hotels "Atlantic", die mit der Feier zur Neueröffnung im August 2012 begann. "Die Buchungen strömten nur so ins Haus", sagt er. "Heute, fast ein Jahr später, wissen wir, das war kein einmaliges Ereignis. Der Strom hält an. Das ,Atlantic' ist wieder da, und es wird angenommen."

Pusnik, ein drahtiger Mann mit ultra-kurzem Haarschnitt lächelt zufrieden. Dabei sind ihm die Spuren der Anstrengung, die drei Jahre Sanierung und Umbau gekostet haben, noch immer ins Gesicht geschrieben. Doch auch die Entspannung ist spürbar. Mit Belegung und Zimmerpreisen ist er "sehr zufrieden", Panik-Rocker und Dauergast Udo Lindenberg ist aus dem Asyl zurückgekehrt, das Tal der Tränen ist durchquert.

Fast kein Stein blieb auf dem anderen

Vor fünf Jahren deckte die Tageszeitung "Die Welt" auf, dass schon 2006 die Klassifizierung des "Atlantic" als Fünf-Sterne-Haus nicht verlängert worden war. Zerschlissene Teppiche, marodes Mobiliar, zersprungene Kacheln, blätternde Farben ließen sich weder schönreden noch übersehen. Das sah wohl auch Dieter Bock ein, zusammen mit der Familie Conradi Besitzer der Immobilie und Betreiber des Hotels, das von Kempinski gemanagt wird. Die Octavian Hotel Holding GmbH kündigte Investitionen für 25 Millionen Euro an, Peter Pusnik, seit zwei Jahren im Haus, rückte an die Spitze.

24 Monate blieb fast kein Stein auf dem anderen im weltweit bekannten Traditionshotel. Vor mehr als 100 Jahren war es mit wuchtigem Stuck und Säulen, Festsälen und weiten Fluren erbaut worden, um den anspruchsvollen Gästen von Albert Ballins Übersee-Dampfern Raum für luxuriöse Übernachtung zu bieten, elegante Bälle und zahllose Schrankkoffer. Doch die Zeiten hatten sich geändert. Jetzt wurde alles herausgerissen bis auf die tragenden Elemente, Elektrik, Klimaanlage und Wasserleitungen erneuert, die Flure wurden schmaler, Zimmer und Bäder geräumiger, die Einrichtung weltläufig und modern. In zwei Bauabschnitten bei laufendem Betrieb wurde das Haus umgemodelt – und Pusnik immer vorneweg.

850 Gäste kamen zur Eröffnungsparty

Er musste die Gäste ebenso bei Laune halten wie das Personal, Veranstaltungen unter erschwerten Bedingungen abwickeln und die Belästigung durch Lärm, Schmutz und Staub möglichst gering halten. Keine leichte Aufgabe – aber im vergangenen Sommer stießen 850 Gäste auf seiner Eröffnungsparty auf die Zukunft des renovierten Prachtbaus an.

Mit Stolz führt Pusnik durch die Zimmer, deren Zahl von 252 auf 245, davon 33 Suiten, geschrumpft ist. In den cremefarbenen Fluren erinnern Schaukästen mit Kapitänsbildern, alten Sextanten und Fernrohren an den maritimen Standort. "Die Nautiquitäten sind meist Leihgaben von Reedereien und Hafenfirmen, die damit ihre Verbundenheit mit dem Haus zeigen wollen. Eine Geste, über die ich mich freue", sagt der Direktor.

Auch die neuen Uniformen der Mitarbeiter, teils in dunklem Blau, teils in schlichtem Weiß, lassen keinen Zweifel daran, welche Bedeutung Hafen und Schifffahrt für diese Stadt haben. Aber der Bezug ist nicht kitschig sondern dezent. "Das war mir ganz wichtig. Eine italienische Firma war hier, hat den Geist des Ortes auf sich wirken lassen, und nach eigenen wie unseren Ideen neue Uniformen nach Maß für 225 Mitarbeiter geschneidert. Sie sitzen gut, sehen gut aus – und alle gehen pfleglich damit um und sind stolz." Jeder bietet eine tadellose Erscheinung. "Die Mitarbeiter müssen für ihren Job brennen – aber nicht verbrennen." Pusnik kennt offenbar auch Grenzen.

Bilder an den Wänden zeigen Schiffe

Das Haus trägt jetzt die Auszeichnung "Fünf Sterne Superior", die Zimmer sind makellos, die Betten einladend, das Design international – doch die Bilder an den Wänden zeigen Schiffe. Die Aussicht auf die Alster reißt zu Seufzern hin, kein Wunder, dass sich hier Bosse und Berühmtheiten wohl fühlen, Film- und TV-Firmen immer wieder anfragen, ob das "Atlantic" nicht Drehort sein möchte. Soviel Flair, Eleganz und Großzügigkeit gibt es nicht allzu oft.

Pusnik sieht penibelst darauf, dass der zurückgekehrte Glanz nicht leidet. "Jeder Gastkommentar geht über meinen Tisch." Ständig ist der Direktor unterwegs im Haus, sieht nach Leuchten und Leitungen, nach Scharnieren und Klinken, nach Teppichen und Vorhängen. "Die Gäste achten jetzt auf alles. Aber sie sind zufrieden. Das hören wir immer wieder und arbeiten hart daran, damit es so bleibt." Das Wort "Investitionsstau" treibt Pusnik Schweiß auf die Stirn. "So weit darf es nie wieder kommen. "

Der neue Glanz kostete 25 Millionen

Die großen Bälle und Veranstaltungen sind wieder da. "Viele Veranstalter sind zufrieden, weil ihre Einladungen ins ,Atlantic' gern angenommen werden und befolgt werden. Kleine Messen, Seminare und Vorträge, die von den Besucher bezahlt werden müssen, sind gut gebucht, was eben auch mit dem Veranstaltungsort zusammenhängt. Aber es kommen auch wieder die Familien, die Hochzeiten und Geburtstage feiern, Firmenjubiläen und andere private Festlichkeiten. Wir gewinnen also auch wieder in Hamburg an Reputation."

Der Vermutung, dass der neue Glanz mehr als 25 Millionen Euro gekostet hat, widerspricht Pusnik nicht. Dabei sind noch nicht alle Bereiche erneuert. Funktionsräume wie die großen Küchen für Restaurant und Bankett im Untergeschoss sind noch nicht renoviert, das Haus an der Ecke Alstertwiete steht leer. Die einfachen, kleinen Zimmer im Anbau aus den 60er-Jahren, in denen früher Flugzeug-Crews nächtigten, will keiner mehr. Für einen dritten Bauabschnitt aber gibt es noch keinen Plan. Der tragische Tod von Dieter Bock, der im "Atlantic" an einem Bissen Fleisch erstickte, hat sicher dazu beigetragen. Uwe Klaus, Geschäftsführer der Octavian Holding hat Verkaufsabsichten der Erben bisher nicht dementiert. Für das "Atlantic" würde sich nichts ändern. Kempinski hat einen langfristigen Managementvertrag.

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