28.02.13

Wirtschaftsförderung

Osteuropas Firmen drängen nach Hamburg

Wirtschaftsförderer locken 75 Unternehmen aus aller Welt in die Stadt. Meist kommen die Firmen erst einmal nur mit wenigen Mitarbeitern.

Von Daniela Stürmlinger
Foto: HA / A.Laible
Jutta Luwig
Die Chefin der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, Jutta Ludwig, ist seit rund zwei Jahren in Hamburg. Zuvor leitete sie in Peking die deutsch-chinesische Auslandshandelskammer

Hamburg. Eine Spielefirma aus der Ukraine, 20 Unternehmen aus Russland und seinen Nachbarstaaten sowie der südkoreanische Konzern Samsung Heavy Industries zählen zu den Ansiedlungserfolgen, die der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF) im vergangenen Jahr gelungen sind. Insgesamt holte die HWF 75 neue Unternehmen aus aller Welt in die Stadt - und damit vier mehr als im Vorjahr.

"Die Mitgliedschaft Russlands in der Welthandelsorganisation WTO seit August hat einen wichtigen Impuls für die Handelsbeziehungen mit Europa gesetzt", sagte HWF-Chefin Jutta Ludwig. Der Abbau von Handelsbarrieren stärke Hamburgs Rolle als wichtigster Umschlagplatz für den Außenhandel Russlands mit der europäischen Union und Übersee. Auch der Hafen habe einen starken Aufwind im Russlandverkehr über Hamburg verzeichnet.

Von den 75 neuen Unternehmen kamen 20 aus Deutschland, genauso viele aus Russland, Polen, Tschechien und dem Baltikum, 15 aus Asien und der Rest aus anderen Ländern. Zusätzlich half die HWF 22 Hamburger Firmen bei ihrer Expansion, zum Beispiel bei der Suche nach größeren Flächen. Darunter befanden sich zum Beispiel der Ölhändler Marquard & Bahls und der Flughafen-Shop-Betreiber Gebrüder Heinemann, die beide ihre neue Zentrale in der HafenCity bauen. "Insgesamt sind bei allen von der HWF betreuten Firmen 1129 Arbeitsplätze in der Stadt entstanden, dabei kamen 466 von den neuen Firmen", sagte Jutta Ludwig. Die Vergleichszahl zu 2011 beträgt 935 Jobs.

Alle von den Wirtschaftsförderern betreuten Firmen schufen oder sicherten 4129 (3440) Arbeitsplätze. Damit waren Investitionen von 351 (179) Millionen Euro in der Hansestadt verbunden. "Die HWF hat 2012 im Vergleich mit dem Vorjahr ein besonders gutes Ergebnis erzielt. Das zeigt, dass der Wirtschaftsstandort ungebrochen attraktiv ist", sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). Die Clusterstrategie des Senats sei wieder einmal aufgegangen. Als Cluster bezeichnet die Stadt Branchennetzwerke, in denen sich führende Firmen aus derselben Branche in Hamburg zusammentun. So gibt es zum Beispiel Cluster für die Unternehmen der Luftfahrtindustrie, für die Bereiche Gesundheitswirtschaft, Maritime Wirtschaft, Medien und Informationstechnologie sowie für Erneuerbaren Energien.

Von den 75 echten Neuansiedlungen passen laut HWF-Chefin Ludwig 36 zu den Profilen eines der Hamburger Cluster. Damit liegt nahe, dass die Unternehmen vorwiegend deshalb in die Stadt gekommen sind, weil sie in Hamburg bereits eine gut vernetzte Branche aus ihrem Wirtschaftsbereich vorzufinden hofften. Auch aus diesem Grund drängte es im vergangenen Jahr den südkoreanischen Konzern Samsung Heavy Industrie mit seiner Sparte Erneuerbare Energien in die Metropole. Hamburg gilt als deutsche Hauptstadt für regenerative Energien mit Unternehmenszentralen etwa von Siemens, Conergy, Repower oder Nordex. Rund 15 Mitarbeiter arbeiten inzwischen in Hammerbrook bei Samsung. Ludwig räumte ein, dass neue Unternehmen am Anfang meist mit nur fünf bis zehn Mitarbeitern nach Hamburg kommen. "Danach findet aber ein Arbeitsplatzaufbau statt", sagte sie. So könnte es auch bei der regenerativen Samsung-Sparte der Fall sein.

In Hamburg sitzt das Know-how für viele Branchen. "Wir haben die besten Voraussetzungen, eine Basis für Hamburgs Innovationsoffensive zu starten", sagte Horch. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) bestätigte diese Einschätzung am Mittwoch. Das Institut hat die Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion Hamburg mit den Regionen Frankfurt/Rhein-Main, München und Stuttgart verglichen. Das Ergebnis war, dass die wirtschaftliche Leistungskraft der Metropolregion Hamburg auf Wachstumskurs ist. Die Spezialisierungsvorteile der Stadt in den wachstumsstarken Branchen würden günstige Voraussetzungen für ein künftiges Wirtschaftswachstum bieten.

Laut HWWI sind "besonders von der Luftfahrtindustrie - mit etwa 40.000 Beschäftigten - und von der Medizintechnik als Bestandteil der Life Sciences wichtige Impulse für die zukünftige Entwicklung Hamburgs zu erwarten". Firmen aus diesen Clustern gehörten zu den "wissensintensiven Unternehmen, von denen insbesondere High-Tech-Firmen und Unternehmen der Spitzentechnologie überdurchschnittlich exportieren", so die Forscher. Die einzelnen Sektoren in der Metropolregion Hamburg würden sich bereits jetzt wechselseitig stark in ihrer Entwicklung beeinflussen. "Auf der Basis der Untersuchung wird die HWF ihre Strategie noch stärker auf die Anforderungen forschungsintensiver Industrien und anderer wissensintensiver Wirtschaftszweige ausrichten", sagte Jutta Ludwig.

Die Pressekonferenz fand in der neuen Zentrale des Versicherungskonzerns Allianz in der HafenCity (ehemaliges Esso-Haus) statt. 2010 wollte der Versicherer mit rund 1500 Mitarbeitern nach Schleswig-Holstein abwandern. Die Stadt konnte dies abwenden. Heute sitzt der Konzern in einem sanierten Gebäude, das durch Energiespartechnik 60 Prozent weniger Energie verbraucht als früher.

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