07.02.13

Leitartikel

Schavan sollte gehen

Die Ministerin hat den Doktortitel zu Recht verloren. Auch die Uni hat Fehler gemacht

Von Dr. Christoph Rybarczyk
Foto: Marcelo Hernandez
Abendblatt Redakteur  Christoph Rybarczyk
Abendblatt Redakteur Christoph Rybarczyk.

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat sich in der Plagiatsaffäre um Annette Schavan nicht mit Ruhm bekleckert. Doch in einer Hinsicht war sie vorbildlich: Die Professoren haben die Wissenschaftsministerin so behandelt wie jede Studentin, jede Doktorandin. Gegen jeden Einschüchterungsversuch, jede Drohgebärde hat die Uni Schavan den Titel entzogen - 30 Jahre zu spät, aber mit allem Recht der Wissenschaftswelt.

Nur die Hochschule verleiht den Doktorgrad, nur sie kann und muss ihn widerrufen, wenn getäuscht worden ist. Und darüber kann es keinen Zweifel geben, x-fach wurde es von höchsten Verwaltungsgerichten bestätigt: Wer mehrfach ohne Anführungsstriche zitiert wie Schavan, ganze Gedankenstränge übernimmt, ohne ihre Urheber zu nennen, der erschleicht sich akademische Würden.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Arbeit ohne diese Passagen oder woanders oder in früheren Jahren angenommen worden wäre. Nicht mal eine Seminararbeit dürfte ein Student so anfertigen. Genau dies weiß und wusste Schavan. Sie hat nach damaligem und heutigem Standard gegen Regeln verstoßen.

Das ist keine Bagatelle. Von wissenschaftlicher Genauigkeit und Regeln hängen die Reputation von Universitäten und die Leistungsfähigkeit des Wissenschaftsstandortes ab. Wer wüsste das besser als eine Ministerin, die genau das in ihrem Ressort predigt? Ihre menschliche Geradlinigkeit, politische Aufrichtigkeit und ihre Leistungen als Landes- und Bundesministerin in allen Ehren - aber den Dr. muss sie sich abschminken.

In der persönlichen Tragik der Annette Schavan lauert ihre nächste Täuschungsabsicht. Sie will uns weismachen, die bemängelten Stellen seien Flüchtigkeitsfehler gewesen. Forsch behauptete sie, früher habe man Zitate ja gar nicht mehr überprüfen können, wenn man sie auf Zettel geschrieben habe. Außerdem habe sie ihren Prüfern vertraut.

Doch gerade hier liegt neben dem wissenschaftlichen Talent und der eigenen Forschungsleistung doch das Verdienst einer Doktorarbeit: Hirn, Schweiß und Akkuratesse zeigen im Zusammenspiel, dass man für den akademischen Olymp taugt. Der Verweis auf die Prüfer ist so nassforsch wie bei den entdoktorten Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin: Hätten die Professoren doch besser nachschauen sollen. Mit ihrer Klage gegen den Titelentzug und dem Gejammere ihrer Unterstützer befeuert Schavan zudem Verschwörungstheorien. Doch dabei geht es nur um das Verfahren, nicht um die Substanz der Vorwürfe. Dass eine Kampagne gegen Schavan laufe, die Uni mit linken Professoren durchsetzt sei - geschenkt. Allerdings müssen sich Doktorväter und -mütter vorhalten lassen, dass sie Arbeiten oft zu nachlässig begutachten. Einen verdienten Mitarbeiter oder prominenten Politiker mit Ministerambitionen lässt man nicht gerne durchfallen.

Auch schimmert bei den gewissenhaften und selbst ernannten Plagiatejägern immer der Typus deutscher Blockwart durch. Er ist zum Stalker des Wissenschaftsbetriebes geworden. Aber jeder Doktorand ist in der Bringschuld. Oberseminare, Kolloquien und Tagungen entlarven neun von zehn Blendern. Die Schwarmintelligenz des Internets nützt den Aufrichtigen. Der Sinn einer Dissertation ist ja gerade die Öffentlichkeit.

All dies leugnet Schavan in ihrem Kampf um Titel und Ministeramt. Kanzlerin Angela Merkel kann sie nicht halten, weil eine monatelange Wahlkampagne mit diesem Makel für keine Partei durchzuhalten wäre. Dass Schavan in der Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg sich "nicht nur heimlich" freute, zerstört nun ihre Glaubwürdigkeit. Spät, aber konsequent: Der Adelige aus Bayern bereute. Früher wussten gewissenhafte Minister noch, was sie zu tun haben.

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