04.02.13

Rahlstedt

Bedenken gegen S-4-Pläne wachsen

Immer mehr Rahlstedter wollen eine Erweiterung der Gleisanlage verhindern. Initiative fordert, statt zweier neuer Gleise nur eines zu bauen.

Foto: Bertold Fabricius/Pressebild.de
S4 Probefahrt
Ein Bild aus ferner Zukunft? Ab 2020 soll die S 4 in Ahrensburg halten

Hamburg. Nach der anfänglich breiten Zustimmung für die Pläne zur neuen S-Bahn-Strecke 4 sprechen sich erste Initiativen nun gegen das Projekt aus. Die Anwohnergemeinschaft Birrenkovenallee in Rahlstedt ist gegen jede Erweiterung der Gleisanlage zulasten ihrer Grundstücke. Die Initiative Lärmschutz Rahlstedt fordert, statt zweier neuer Gleise nur eines zu bauen.

Zwischen Hasselbrook und Ahrensburg sollen nach dem Willen der Wirtschaftsbehörde und der LVS Schleswig-Holstein GmbH neben den bestehenden Gleisen nach Lübeck zwei weitere gebaut werden. Das soll Kapazitäten für den Güterverkehr schaffen und Stormarn und Hamburgs Nordosten mit der neuen S 4 besser anbinden. Kostenpunkt: 350 Millionen Euro für Gleise und Elektrifizierung. 2015 könnten die Vorplanungen in ein Planfeststellungsverfahren übergehen, 2017 der Bau starten. Bis zu vier neue Bahnhöfe würden entstehen, der Bahnhof Wandsbek verschwinden. Für die beiden neuen Gleise aber braucht die Bahn Privatgrundstücke - besonders in der Birrenkovenallee (Rahlstedt) und der Küperkoppel (Tonndorf).

Sollen Güterzüge durch Ballungszentren fahren? Und sollen langsame Güter- und schnelle Personenzüge dieselben Strecken nutzen? Auf beide Fragen antworten die Rahlstedter mit Nein, die Planer aber mit Ja. In den Gesamtzusammenhang gehören der dringend auszubauende Hafenhinterlandverkehr und die von der EU verordneten Europakorridore für den Güterverkehr. Einer davon verläuft von Skandinavien über Fehmarn, Lübeck und Hamburg bis nach Palermo. Einen Teil dieser Strecke befährt die neue S 4.

Sie soll Personennahverkehr aus dem Hauptbahnhof aufnehmen, um Platz für den Güterverkehr zu schaffen. Die Güterzüge aber durch Ballungszentren zu führen, würde zu viele Menschen belasten, sagen die Rahlstedter. Zumal die EU mit neuen Hochgeschwindigkeitsgüterzügen plane. Güter- und Personenzüge zu trennen hätte zudem den Vorteil, dass die Geschwindigkeiten auf den Strecken harmonisiert würden, was den Durchsatz erhöhe und wirtschaftlicher sei.

Die Initiative Lärmschutz Rahlstedt schlägt vor, die von Lübeck kommenden Güterzüge zum Beispiel über Büchen/Lüneburg an Hamburg vorbeizuführen oder schon bei Bad Kleinen ins Güternetz einzuspeisen. Dann käme die S 4 mit nur einem zusätzlichen Gleis aus. Auch in die Umgehungsstrecken müsste allerdings investiert werden: in Elektrifizierung, Ertüchtigung für höhere Achslasten, Kreuzungsgleise und Lärmschutz. Diese Varianten würden aber auch auf die Verbesserung des Hafenhinterlandverkehrs einzahlen, der für Norddeutschland wegen der prognostizierten hohen Zuwächse erheblich wichtiger ist als der Skandinavienverkehr. Zumal der Fehmarnsundtunnel die Bahnverkehre nur verlagert, die Anbindung für Lkw aber stark verbessert.

Die Rahlstedter Position für den Fall einer juristischen Auseinandersetzung steht schon: Da es zur derzeitigen S-4-Planung Alternativen gebe, die das Allgemeinwohl in den Vordergrund stellten, dürfte eine Enteignung kaum durchzusetzen sein. Von freiwilligem Verkauf der Grundstücke ist nun nicht mehr die Rede.

(axö)
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