31.01.13

Hamburger Reederei

Anleger sollen Frachter von Reeder Offen retten

Entscheidung über frisches Kapital bei Hamburger Reederei soll bis Mitte Februar getroffen werden. Auch Konkurrent Ebel spürt die Krise.

Von Rolf Zamponi
Foto: Marcelo Hernandez
Reeder Claus-Peter Offen Reederei Offen, Bleichenbrücke 10
Claus-Peter Offen in seinem Büro in der Innenstadt: Der Hamburger Charterreeder setzt eine Flotte von 118 Schiffen ein

Hamburg. Bei der Hamburger Reederei Claus-Peter Offen steht nach dem angekündigten Verkauf von 14 Containerfrachtern des Fonds Santa-B erneut eine Entscheidung über die Zukunft der Flotte an. "Bis zum 18. Februar müssen mehr als 5000 Anleger des Fonds Santa-P entscheiden, ob sie zum zweiten Mal für die Schiffe frisches Kapital bereitstellen", sagte der Hamburger Fachanwalt Peter Hahn am Mittwoch dem Abendblatt. Vor dem Hintergrund der derzeit geltenden niedrigen Charterraten - der Preise, für die Schiffe an die Linienreedereien vermietet werden - ist Hahn jedoch skeptisch, ob die Anleger erneut Geld nachschießen werden. Tun sie das nicht, droht wie voraussichtlich bei den Santa-B-Frachtern der Verkauf der Schiffe. Zum Santa-P-Fonds gehören sechs Containerschiffe mit jeweils rund 5000 Stellplätzen für Standardcontainer (TEU).

Die Investoren, von denen Hahn etwa 30 vertritt, hatten zwischen 2003 und 2005 rund 81,4 Millionen Euro für die Schiffe bereitgestellt. 28 Millionen Euro davon stammen laut Hahn von Offen. Das ursprüngliche Darlehen über 113,6 Millionen Dollar (83,74 Millionen Euro) sowie 13,626 Milliarden japanische Yen (110 Millionen Euro) stellten Unicredit, die Deutsche Schiffsbank, die Norddeutsche Landesbank aus Hannover und die HSH Nordbank bereit. Inzwischen wurde ein Teil der Darlehen getilgt.

Zu den Chancen einer Kapitalaufstockung äußerte sich Claus-Peter Offen am Mittwoch nicht. Der Reeder verwies aber darauf, dass sein Unternehmen "unterdurchschnittlich" von den Turbulenzen am Schifffahrts-Chartermarkt betroffen sei. "Von unseren 118 eingesetzten Schiffen haben 30 bis 35 Refinanzierungsbedarf. Dagegen setzen wir aber allein 37 Großfrachter mit 5000 bis 14.000 TEU ein, deren Charterverträge bis 2017 beziehungsweise bis zum Jahr 2023 laufen", sagte Offen. Die Raten für diese Frachter von Großkunden wie der dänischen Maersk, der französischen CMA-CGM, der Schweizer MSC oder auch von Hapag-Lloyd seien auskömmlich. "Mit diesen Schiffen erzielen wir 65 Prozent unseres Umsatzes", sagte der Hamburger Reeder. Daher sei der Bestand der Reederei keineswegs gefährdet.

Offen rechnet für das zweite Halbjahr 2014 mit einer Besserung der Lage. Im kommenden Jahr würden deutlich weniger Neubauten auf den Markt kommen. Zudem würden schon jetzt zunehmend Schiffe verschrottet.

Derzeit jedoch übersteigt das Angebot an Tonnage noch deutlich die Nachfrage. Diese Überkapazitäten sind die Ursache für Charterraten, die oftmals weder die Betriebskosten noch die Zinsen und die Tilgung für die Schiffsdarlehen decken. Nach einer Studie des Analyseunternehmens Deutsche Fondsresearch sind bislang mehr als 100 Schiffe in die Insolvenz geschlittert. Noch seien etwa 1000 Containerfrachter und damit rund ein Drittel der deutschen Flotte von der Schifffahrtskrise betroffen, sagte Offen. Finanzielle Schwierigkeiten gebe es vor allem bei Schiffen mit einer Kapazität von weniger als 5000 TEU.

Auch der Hamburger Reeder Hermann Ebel, der zudem Chef des Emissionshauses Hansa Treuhand ist, hat seit 2010 für 31 Schiffe um zusätzliches Kapital gebeten. Dies haben die Anleger bisher stets bewilligt. "In den kommenden Monaten brauchen wir aber für weitere sechs Schiffe frisches Geld", sagte eine Unternehmenssprecherin. Betroffen sind vier Fonds, zu denen insgesamt sechs Frachter mit 1700 bis 5000 Stellplätzen für die Transportboxen gehören. Für diese Schiffe haben rund 2500 Anleger Kapital bereitgestellt. Auch hier bliebe ohne eine Aufstockung letztlich nur ein Verkauf der Frachter. In den vergangenen zwei Jahren hatten sich die Anleger der Hansa Treuhand insgesamt zehnmal für dieses Vorgehen entschieden.

Bestellt hat Ebel derzeit acht Neubauten, von denen der erste bereits ausgeliefert wurde, wie der "Tägliche Hafenbericht" schreibt. Für das Schiff, die "HS Paris" mit 6500 Container-Stellplätzen, erhält die Reederei Hansa Shipping zunächst für sechs Monate 15.500 Dollar pro Tag. "Das deckt zwar noch nicht alle Kosten ab, zeigt aber bereits einen Trend nach oben", sagte die Hansa-Treuhand-Sprecherin. "Wir gehen davon aus, dass dies Entwicklung weiter anhalten wird."

Ebel erhält allein in diesem Jahr noch fünf weitere der acht Neubauten mit 6500 beziehungsweise 4800 TEU. Für keines der Schiffe wurde bisher ein Chartervertrag abgeschlossen. "Wir setzen darauf", so die Sprecherin, "dass wir auch hier von einer Besserung des Marktes profitieren können."

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