31.01.13

Bankenmarkt

Der Bankenstandort Hamburg schrumpft

Seit 2002 sind mehr als 3100 Arbeitsplätze allein bei den drei größten privaten Geldhäusern weggefallen. Neue Streichungen geplant.

Von Volker Mester
Foto: dapd
HypoVereinsbank steigert Gewinn deutlich
Die HypoVereinsbank in Hamburg

Hamburg. Vor zehn Jahren bot der Bankenmarkt Hamburg noch ein völlig anderes Bild als heute: Zum Jahreswechsel 2002/2003 war die Dresdner Bank in der Stadt das größte der bundesweit tätigen Geldhäuser, dicht gefolgt von der Vereins- und Westbank - die damals als eigenständige Tochter der HypoVereinsbank ihren Firmensitz in Hamburg hatte. Doch nicht nur Namen sind seitdem verschwunden. Allein die drei führenden privaten Banken (Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank) haben in diesen zehn Jahren mehr als 3100 Stellen in der Hansestadt abgebaut. Bei der HSH Nordbank, die damals noch Hamburgische Landesbank hieß, gingen im gleichen Zeitraum fast 800 Arbeitsplätze verloren.

Jetzt muss sich der Bankenstandort Hamburg auf weitere schmerzhafte Einschnitte einstellen. So hat die Commerzbank die Streichung von 4000 bis 6000 Stellen bis zum Jahr 2016 angekündigt. Wie viele davon es in Hamburg sein werden, ist noch unklar. Bei der HypoVereinsbank sollen nach Angaben aus Finanzkreisen in diesem Jahr bundesweit rund 600 und im kommenden Jahr etwa 400 Jobs wegfallen, hauptsächlich im Privatkundengeschäft. Zudem sei vorgesehen, rund 45 Filialen in Deutschland zu schließen oder zusammenzulegen. Auch davon dürfte Hamburg betroffen werden, denn die HypoVereinsbank ist außer in Bayern vor allem in der Hansestadt und in Schleswig-Holstein aktiv.

Zwar sind die Details dieser Pläne noch nicht bekannt, aber eines scheint doch offensichtlich: Während die Geldhäuser in den zurückliegenden Jahren vorwiegend im Investment Banking und im sogenannten Back Office, also in Verwaltungs- und Abwicklungsfunktion, Kürzungen vornahmen, bleibt nun auch der Vertrieb nicht mehr verschont.

"Die Geschäftsmodelle befinden sich im Wandel", sagt dazu Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. "Die führenden Banken hatten gehofft, die Auswirkungen der Finanzkrise seien überwunden und die 'alten Zeiten' kämen zurück. Aber jetzt stellen sie fest, dass Ertragssteigerungen kaum noch realisiert werden können." Dafür gibt es mehrere Gründe: "Ein großer Teil der Erträge im Wertpapiergeschäft ist verloren gegangen, weil die Kunden gegenüber den Banken skeptischer geworden sind, aber auch wegen der allgemeinen Verunsicherung der Anleger über die Lage an den Finanzmärkten", erklärt der Experte. So haben die Provisionen für Börsentransaktionen im Privatkundensektor abgenommen, obwohl sich der Aktienmarkt im vergangenen Jahr sehr gut entwickelte. Hinzu kommt: "Die Kunden sind konditionenbewusster geworden", sagt Faust. "Wenn klassische Filialbanken bei den Tagesgeldkonten keine attraktiven Konditionen mehr bieten können, wandern ihre Kunden zu Direktbanken und ausländischen Wettbewerbern ab."

Auch das Zinsumfeld trage zu den Problemen bei, sagt Olaf Meuser, Vorsitzender des Bankenverbands Hamburg: "Die Geschäftsmöglichkeiten sind durch das niedrige Zinsniveau eingeschränkter als früher." Gleichzeitig geraten die Finanzkonzerne aber durch die als Folge der Krise verschärfte Regulierung unter Druck. "Die Banken müssen mehr Eigenkapital vorhalten und dazu möglichst die Gewinne steigern", sagt Faust. "Auf der anderen Seite erschweren die Auflagen der Behörden die Beratung der Privatkunden und treiben die Kosten hoch." Vor diesem Hintergrund verschieben sich nach Auffassung des Branchenexperten die Prioritäten: "Im Vergleich zum Privatkundengeschäft erscheint den Banken der Firmenkundenbereich derzeit attraktiver. Hier kann man schon durch wenige neue Kunden das Kreditvolumen um Millionenbeträge steigern."

Allerdings baut auch die HSH Nordbank, die sich auf Unternehmenskunden konzentriert, derzeit massiv Stellen ab. Die Landesbank sei jedoch ein "Sonderfall", sagt Uwe Grund, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Hamburg. Denn die HSH leide nicht nur unter der Flaute in der Schifffahrt: "Die Auflagen der EU wegen der staatlichen Beihilfen bedeuten einen radikalen Einschnitt in das Geschäft." Dennoch gebe es eine Gemeinsamkeit mit der Situation, in der sich etwa die Commerzbank befinde: "Was wir jetzt sehen, ist eine Auswirkung des Sanierungsdrucks auf Banken, die von der Finanzkrise massiv betroffen waren." Nun müssten die Mitarbeiter frühere Fehler des Managements ausbaden.

Die Veränderung des Branchenumfelds bietet nach Auffassung von Grund wenig Anlass für Optimismus: "Für die Banken wird der Erfolg künftig noch viel stärker als heute von der Eigenkapitalausstattung abhängen. Dazu müssen die Erträge steigen - und das wird man nicht zuletzt über die Personalkosten erreichen wollen."

Noch skeptisch ist der Gewerkschafter Grund im Hinblick auf den von etlichen Banken versprochenen Kulturwandel hin zu mehr Kundenorientierung, auch wenn sich bei den Vergütungsstrukturen schon einiges verändert habe. In diesem Zusammenhang hätten die Filialen besondere Bedeutung, meint Faust: "Am Ende geht es um Vertrauen, und das wird über persönlichen Kontakt aufgebaut." Den klassischen Filialbanken bleibe nur der Weg zu einer an den Kundeninteressen ausgerichteten und qualitativ hochwertigen Beratung. Für die großen Privatbanken werde es jedoch schwer sein, das Vertrauen zurückzugewinnen: "Dafür reichen Werbespots und Zeitungsanzeigen nicht aus."

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