21.01.13

Wandsbek

Ärzte und Pfleger müssen auf die Schulbank

Bei Asklepios in Wandsbek lernt das Personal plattdütsch - für das Patientenwohl. In Hamburg sprechen rund 100.000 Menschen Platt.

Foto: dpa
Eine Plakette mit der Aufschrift "Wi snackt ok Platt"
Eine Plakette mit der Aufschrift "Wi snackt ok Platt"

Hamburg. In der Asklepios Klinik Wandsbek drücken Pfleger, Ärzte und Unternehmensführung seit Kurzem wieder die Schulbank. Doch Lehrer Achim Böker spricht nicht in Medizinerdeutsch zu seinen Schützlingen. Und auch nicht in Hochdeutsch. Achim Böker snackt Platt. Denn damit sich die Mitarbeiter in der Wandsbeker Klinik besser mit ihren Patienten verständigen können, kriegen sie plattdeutschen Sprachunterricht. Das Pilotprojekt startete Anfang Januar mit dem Kursus.

Der Anstoß kam unter anderem von Annette Elwert, die das Marketingteam der Asklepios Kliniken leitet. "Für ältere Patienten ist Platt wichtig", erklärte Elwert, was sie im Klinikalltag beobachtet hat. Welche Rolle Platt im norddeutschen Raum heute noch spielt, belegen Zahlen. Uwe Hansen, stellvertretender Vorsitzender des Plattdeutschen Rats für Hamburg, schätzt, dass insgesamt über zwei Millionen Menschen Platt sprechen, in der Hansestadt sind es rund 100.000.

Seit Deutschland die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen unterzeichnet hat, gilt dem Niederdeutschen wieder besondere Aufmerksamkeit. So fand auch Elwerts Idee, Platt im Umgang mit Patienten mehr Raum zuzugestehen, schnell Anklang bei der Geschäftsführung und den Mitarbeitern des Wandsbeker Krankenhauses.

Ihre Erfahrungen im Gespräch mit den Patienten sind durchweg positiv. "Man hat sofort ein Vertrauensverhältnis", sagt Carina Wrage. Die junge Sozialarbeiterin ist auf einem Bauernhof bei Bad Segeberg aufgewachsen - mit Niederdeutsch. Auch dem Wirbelsäulenchirurg Erik Fritzsche hat die größere Nähe des Plattdeutschen bereits geholfen. "Man kommt schneller ins Gespräch, tauscht sich über das Arzt-Patienten-Verhältnis hinaus aus." Steigt der Chirurg auf Platt ins Gespräch ein, habe das eine beruhigende Wirkung. Denn meist seien die Patienten viel zu aufgeregt, wenn sie zu Fritzsche kommen. Sie wissen, sie sollen unters Messer. Das Platt schafft eine Vertrauensbasis, auf der sich der Patient letztendlich für eine Operation entscheidet.

(dpa)
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