20.01.13

Hamburg

Ver.di setzt Streiks am Flughafen aus

Aufatmen am Hamburger Flughafen: Gewerkschaft Ver.di setzt die geplanten Streiks am Montag aus und kehrt an den Verhandlungstisch zurück.

Foto: Michael Arning
Lange Schlangen und Wartezeiten am Hamburg Airport am Freitag
Lange Schlangen und Wartezeiten am Hamburg Airport am Freitag

Hamburg. Der Hamburg Airport kehrt zur Normalität zurück: Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di wird die Streiks vorerst aussetzen und die Tarifverhandlungen wieder aufnehmen. Nach dem Ganztagesstreik am vergangenen Freitag hat die die Arbeitgeberseite laut Verdi ein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. "Auf dieser Basis können wir uns wieder an den Verhandlungstisch setzen", kündigte Ver.di-Verhandlungsleiter Peter Bremme am späten Sonnabend in einer Pressemitteilung an. Die Streiks würden "vorerst ausgesetzt".

"Der Streik wäre unnötig gewesen", betonte Bremme, "wenn rechtzeitig eine klare Arbeitgeberbotschaft uns erreicht hätte. Schließlich könnten die Ausfallkosten, die der Streik mitverursacht hat, mehrere Tariferhöhungen finanzieren." Am Sonnabendvormittag hatte Ver.di weitere Streikmaßnahmen im Tarifkonflikt zunächst nicht ausgeschlossen. "Wir haben den Spannungsbogen aufgebaut: Freitag war der größte Tag – und Montag ist der nächste große Tag", hatte Bremme dem Radiosender NDR 90,3 gesagt. "Wir erwarten, dass in unserem Bereich jetzt ein Angebot kommt." Dies ist nunmehr geschehen.

"Wir wollen nun mit der ganzen Kraft der Gewerkschaftsmitglieder und einer kluger Verhandlungsstrategie am Tariftisch die Lebensbedingungen für die 600 Sicherheitsmitarbeiter/innen verbessern", erklärte Bremme. Ver.di bedauere "die Härten, die ein Streiktag für viele Passagiere hervorgerufen hat. Auf der anderen Seite hat der Streik die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Luftfahrtsicherheitsassistent/innen eine breiten Öffentlichkeit bewußt gemacht."

Bereits seit Freitagabend liefen die Sicherheitskontrollen und der Flugbetrieb wieder reibungslos. Am Freitag waren noch 63 von 176 geplanten Flügen abgesagt worden; rund 12.000 Passagiere blieben am Boden und konnten ihre Reise nicht antreten. Auswärtige Fluggäste mussten zum Teil in Hotels übernachten, auf den angebotenen Feldbetten im Flughafen wollte kaum jemand schlafen.

"Die Lage hat sich entspannt. Seit Freitagabend gegen 20 Uhr läuft wieder der Normalbetrieb. Für den Bereich der Bundespolizei gibt es bei den Passagierkontrollen keine Probleme", sagte Bundespolizei- Sprecher Maik Lewerenz. Die Maschinen konnten nach dem eintägigen Streik pünktlich starten. "Für uns ist das ein Samstag wie jeder andere Samstag auch", versicherte Lewerenz.

Die Gewerkschaft wollte mit dem Streik Druck in den laufenden Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) erzeugen. Ver.di fordert einen Stundenlohn von 14,50 Euro, bisher verdienen die 600 Beschäftigten des Sicherheitspersonals am Hamburger Flughafen 11,80 Euro pro Stunde.

Der BDSW hatte noch am Freitag erklärt, der Streik habe zu Empörung bei Tausenden von Fluggästen und auch beim Arbeitgeberverband geführt. "Leider hat Ver.di bei den Lohnforderungen für die Luftsicherheitskontrollkräfte an Verkehrsflughäfen jedes Maß verloren", sagte Hauptgeschäftsführer Harald Olschok. Lohnerhöhungen von über 22 Prozent für die Hamburger Luftsicherheitsassistenten seien "völlig überzogen". Der BDSW habe 5,9 Prozent mehr Lohn angeboten.

(dpa/abendblatt.de)
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